Brennende Autos : Politisch motivierte Anschläge in Berlin?

In letzter Zeit meldet die Berliner Polizei vermehrt Brandstiftungen an Autos. Allein in der vergangenen Nacht fingen sechs Wagen Feuer, darunter zwei Polizeifahrzeuge. Ein politischer Hintergrund wird vermutet.

Berlin - Gegen drei Uhr heute Nacht bemerkten Objektschützer ein brennendes Polizeifahrzeug in der Schmidt-Knobelsdorff-Straße in Spandau und verständigten sofort die Feuerwehr. Bis diese eintraf, hatte schon ein weiterer Einsatzwagen Feuer gefangen. Der Brand konnte zwar schnell gelöscht werden, aber beide Fahrzeuge nahmen schweren Schaden. Währenddessen brannten in Kreuzberg nahe der Oberbaumstraße zwei Wagen, später am Paul-Linke Ufer zwei weitere sowie ein Motorroller aus. In Pankow wollte ein Mann ein Auto der Deutschen Bahn anzünden.

Gegenüber dem Tagesspiegel Online räumte ein Polizeisprecher ein, dass es in letzter Zeit häufiger zu Brandanschlägen auf Fahrzeuge gekommen sei. Auch weil nun zwei Einsatzwagen der Ordnungshüter Feuer fingen, schaltet sich jetzt der Staatsschutz in die Ermittlungen ein. "Ein politischer Hintergrund ist anzunehmen" sagte der Polizeisprecher. Der mutmaßliche Brandstifter, der das Auto der Deutschen Bahn anzündete, konnte jedenfalls schon festgenommen werden. Der 25-Jährige sei in der Vergangenheit schon mehrfach wegen politisch motivierter Straftaten aufgefallen.

50 Brandanschläge seit Jahresbeginn

Allein im Mai gab es fünf nächtliche Brandanschläge in Berlin, die meisten davon in Friedrichshain-Kreuzberg, Prenzlauer Berg oder Mitte. Seit Jahresanfang stellte die Polizei fast 50 politisch motivierte Brandstiftungen fest. In allen Fällen ermittelt der polizeiliche Staatsschutz.

Mehrere Anschläge der vergangenen Monate werden von der Polizei der linksterroristischen "militanten gruppe" (mg) zugeschrieben. Die Gruppe rekrutiert sich nach Einschätzung von Ermittlern vorwiegend aus Angehörigen der so genannten autonomen Szene und hat sich seit 2001 zu insgesamt 25 Anschlägen bekannt. Bei den zumeist nächtlichen Aktionen hinterlassen die Täter keine Spuren. Menschen sollen aber offenbar nicht zu Schaden kommen. Oft gibt es Bekennerschreiben. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, hat vor weiteren Anschlägen von Linksextremen gewarnt. Vor dem G8-Gipfel müsse man besonders in Berlin, Hamburg und den norddeutschen Raum mit Gewaltaktionen rechnen. (mist / mit dpa)

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