Berlin : Brennendes Kabel und experimentelle Soundkonzepte

Volker Lüke

Das Berliner Veranstaltungsunternehmen "Klangkrieg" ist nun auch im Podewil gelandet, um unter dem Motto "no art here, just avant pop" die Clubkultur mit experimentellen Soundkonzepten voranzubringen. Eindrucksvoll eingeläutet bereits am Montag mit den Beiträgen von Vladislav Delay, Hrvatski, ElectroniCat und Phatalocyanine, sollten die Klangerkundungen am Mittwoch mit Main aus London fortgesetzt werden. Ehemals eine "richtige Gitarrenband", verbirgt sich hinter dem Namen das Solo-Projekt von Robert Hampson, einem Elektronik-Tüftler, der zu immer reduzierteren Klängen gefunden hat und sich mittlerweile eine Musik zusammenbaut, die so ähnlich angelegt ist wie die von Bernhard Günther, dessen Konzert vor einigen Monaten im Podewil noch in bester Erinnerung ist. Auch Hampson möchte seine Zuhörer in eine mikrotonale Klangwelt entführen, die zum genauen Zuhören zwingt. Auf seinen CDs dominieren flächige Sounds, die immer wieder auseinanderzubrechen drohen - beim Konzert bricht gleich die halbe Technik zusammen: der linke Kanal ist ein Totalausfall. Hampson blickt verzweifelt zur Mischpultcrew, von der ständig jemand nach vorne eilt, um seine Ohren an die Box zu halten - kommt aber nix. So dauert es fast 35 Minuten, bis auch von dieser Seite ein paar halbstarke Töne zu hören sind - fatal, bei einer Musik, deren fragile Textur-Muster sich im Raum ausbreiten wollen, um ein organisches Netz aus scharf geschnittenen Geräuscheinheiten zu spinnen. Erstaunlich, dass Hampson weiter an den Knöpfen dreht, um zu retten, was nicht zu retten ist. Noch erstaunlicher ist nur, das das Publikum andächtig sitzen bleibt, während Hampson seine Verzweiflung mit einem heftigen Kopfschütteln zum Ausdruck bringt. Sein Deutschland-Debüt hat er sich bestimmt anders vorgestellt.

» Mehr lesen? Jetzt gratis Tagesspiegel testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben