Brennholzschlagen : Mit Axt und Säge für den Geldbeutel

Die hohen Öl- und Gaspreise treiben immer mehr Menschen in den Wald. Auch in Brandenburg erfreut sich Brennholzschlagen großer Beliebtheit.

Prenzlau - Wenn die Vegetation im Herbst zur Ruhe kommt, ist die Zeit zum Brennholzschlagen gekommen. In Brandenburg für immer mehr Menschen ein Grund, in den Wald zu gehen. So versammeln sich Interessenten jeden Freitagnachmittag auf dem Parkplatz in der Großen Heide an der Bundesstraße 109 südlich von Prenzlau, um im Stadtwald das liegen gebliebene Kronenholz der gefällten Buchen und Eichen klein zu sägen und für den eigenen Ofen oder die Holzheizung mit nach Hause zu nehmen. Der Prenzlauer Stadtförster Jens Rackelmann führt sie in den Wald und zeigt ihnen die Stellen, auf denen sie ihr Sägetalent entfalten können.

"Anfangs bin ich mit jedem einzeln in den Wald gegangen und habe ihn eingewiesen, jetzt geht es nur noch in der Gruppe, anders ist es nicht zu schaffen", sagt Rackelmann. Das Geschäft der Selbstwerbung, wie das Selbstschlagen von Brennholz heißt, boomt. Im vergangenen Jahr waren 300 Selbstwerber im 1450 Hektar großen Prenzlauer Stadtwald zugange. "In diesem Jahr werden es noch mehr sein, der Trend geht steil nach oben", berichtet der Förster. Die hohen Öl- und Gaspreise trieben immer mehr Menschen in den Wald. Das gelte nicht nur für die Uckermark. "Kollegen aus dem ganzen Land berichten, dass der Run auf das Brennholz ungebrochen groß ist", sagt Rackelmann.

Auch Holz teurer

Dabei zogen die Holzpreise ebenfalls an. Selbst geschlagenes Holz gibt der Förster in diesem Jahr für sieben Euro pro Raummeter bei Eiche oder Buche ab, fünf Euro kostet die märkische Kiefer. Im vergangenen Jahr lagen die Preise noch jeweils zwei Euro tiefer. "Bei Holz, das unsere Waldarbeiter bereits geschlagen und in Drei-Meter-Enden geschnitten haben, wollen wir 22 Euro bei Eiche und 26 Euro bei Buche pro Raummeter haben", sagt der Förster. In den 1990er Jahren seien es umgerechnet rund sechs Euro gewesen.

Dennoch sei Holz noch immer weit günstiger als Öl und Gas. Die Rechnung sei einfach zu machen. Mit 13 Raummetern Holz komme ein normales, gut gedämmtes Einfamilienhaus eine Saison lang aus. "Selbst wenn ich diese 13 Raummeter für jeweils 22 Euro kaufe, liege ich noch deutlich günstiger als bei Öl", sagt Rackelmann. So wird der Run auf die brandenburgischen Wälder weiterhin anhalten.

Discounter ziehen mit

Darauf haben sich mittlerweile sogar die Discounter eingestellt, die Schutzbekleidung für Kettenssägearbeiten vergleichsweise preiswert verkaufen. "Schnittschutzhosen, Helme und Schnittschutzschuhe gab es noch vor nicht allzu langer Zeit und für nicht wenig Geld nur beim Fachhandel", sagt der Förster. Die Forstämter reagierten ebenso schnell auf die für Laien mit Kettensägen verbundenen Risiken.

"Wenn mit der Kettensäge Unfälle passieren, sind es meist ganz böse Unfälle", sagt er. Seit diesem Jahr dürften Selbstwerber daher nur noch mit Sicherheitsausrüstung im Landeswald oder in den kommunalen Wäldern tätig werden. Neueinsteiger schickt der Förster zum Kettensägen-Lehrgang. Diese Kurse seien mittlerweile hoffnungslos überbucht. Die Behörde denkt schon über zusätzliche Lehrgänge nach. (Von Juliane Sommer, ddp)

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