Berlin : Brett vorm Kopf

Der Meister unter den Meistern

Bernd Matthies

Verlieren? Kennt Hans Christian Ströbele nicht, zumindest nicht aus der Politik. Per Direktmandat ist der Grünenpolitiker bei den vergangenen Wahlen in den Bundestag eingezogen, an diesem Sonntagvormittag läuft es für ihn jedoch nicht so gut. Im Konferenzsaal des Hotels Berlin am Lützowplatz in Tiergarten sitzt er CDU-Mitglied Günter Nooke gegenüber – und verliert. Im Schach.

„Eine Niederlage kann mich den ganzen Tag die gute Laune kosten“, so Ströbele. Zum dritten Mal nahm er am Politiker-Schachturnier teil, an dem sich gestern 58 Politiker und Diplomaten aus ganz Deutschland beteiligten. Organisiert wird die Veranstaltung seit 1979 von Alfred Seppelt , dem ehemaligen Präsidenten des Berliner Schachverbandes. „Ich wollte mich damit bei den Politikern für ihre Unterstützung bedanken“, sagte Seppelt im Hinblick auf die finanziellen Mittel, die der Deutsche Schachverband vom Landessportbund erhält.

Nun fand die Veranstaltung zum 16. Mal statt; in einigen Jahren fiel sie aus, weil prominente Turnierteilnehmer wie der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker aus Termingründen absagen mussten. Auch Ex-Bundesinnenminister Otto Schily und Finanzminister Peer Steinbrück fehlten diesmal, trotz fester Zusage. Nicht so Brandenburgs Finanzminister Rainer Speer . Er bezeichnete sich selbst als „sehr gelegentlichen Hobbyspieler“. Und ärgerte sich deshalb auch nicht, dass er am Ende der sieben Partien, die von einem Computer ausgelost wurden, nur im Mittelfeld landete. Auch Hans Christian Ströbele rettete schließlich noch seinen Tag: Er entschied zwei Spiele für sich, immerhin. Gewinner des Turniers: Jan Lundin , Gesandter der schwedischen Botschaft in Berlin.hey

Berlins Besseresser wissen seit Jahrzehnten: Der Franz, der kann’s. An dieser Erkenntnis konnte auch die Jury der „Berliner Meisterköche“ nicht länger vorbeigehen – und wählte Franz Raneburger anlässlich der Gala am Sonnabend zum „Berliner Ehrenmeisterkoch“. Der langjährige Patron des „Bamberger Reiters“, der es jetzt in der Glienicker Remise etwas ruhiger angehen lässt, sei Vorbild einer ganzen Generation junger Köche, lobte der Juryvorsitzende Dieter Großklaus ; sein kontinuierliches Streben nach höchster Qualität und unverschnörkeltem Stil sei beispielhaft. Während das Geheimnis des Ehrenmeisterkochs – eigens geschaffen zum zehnjährigen Bestehen der Meisterköchewahl – erst am Abend gelüftet wurde, standen die regulären Preisträger dieses Jahrgangs schon fest. Sie mussten schließlich auch das Galamenü für rund 350 Gäste kochen, die auf Einladung der „Berlin-Partner“ in den Ballsaal des Hotels Intercontinental gekommen waren: Thomas Kellermann (Vitrum, Ritz-Carlton), Frank Schreiber (Goldener Hahn, Finsterwalde) und Jörg Behrend zogen sich glänzend aus der Affäre, unterstützt von Gerhard Retter (Lorenz Adlon), dem Maitre des Jahres, und Gunnar Tietz (First Floor, Palace), der zum Sommelier des Jahres gewählt worden war. Kleine Misstöne am Rande: Jörg Behrend, der das Schlosshotel Grunewald kurz nach seiner Wahl zum „Aufsteiger des Jahres“ verlassen musste, bekam von dort keine Unterstützung mehr, obwohl das Hotel selbst von der Wahl profitieren durfte – sein Abgang wurde den Galagästen seltsamerweise vorenthalten. Die Meisterköche-Gala ist alljährlich ein Familientreffen der Berliner Wirtschaft und Gastronomie, veredelt durch den einen oder anderen Senator und Minister: Jörg Schönbohm lässt sich die Veranstaltung nie entgehen, Klaus Böger und Thilo Sarrazin sind Dauergäste, und meistens lässt sich auch Klaus Wowereit sehen. Er kam diesmal solo, tauchte als einer der ersten auf und blieb bis tief in die Nacht, aufgekratzt plaudernd und entspannt trotz heftigen politischen Gegenwinds. Den Ärger über Journalisten, die stets kritisierten, selbst aber keine Kritik vertrügen, hatte er sich schon in seiner Begrüßung von der Seele geredet. Dann begann der gemütliche Teil des Abends.

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