Berlin : Briefträger klagen gegen die Post

Ständige Überstunden sollen bezahlt werden. Immer mehr Beschwerden über verspätete Sendungen

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Die Beschwerden über die Post, die auch beim Tagesspiegel eingehen, häufen sich. Die Probleme sind vor allem durch die Vergrößerung der Zustellbezirke entstanden und die zusätzlich von den Briefträgern übernommene Verteilung von Werbesendungen. Für die Haushalte und Geschäftskunden bedeutet dies, dass sie ihre Post später oder an manchen Tagen gar nicht erhalten.

Nach Erkenntnissen des Deutschen Verbands für Post und Telekommunikation (DVPT) werden Briefe in einigen deutschen Städten nun durchschnittlich eineinhalb Stunden später zugestellt. Die meisten Kundenbeschwerden habe es aus Berlin und Hamburg gegeben, sagte der Vorsitzende Elmar Müller. Die von Firmen und Institutionen getragene Verbraucherorganisation war einst als „Verband der Postbenutzer“ bekannt. Müller wartet zudem auf eine neue Statistik zu den Brieflaufzeiten, die bald vorliegen soll. Die Post werde ihre Angaben, wonach 95 Prozent aller Briefe den Empfänger am folgenden Tag erreichen, sicherlich nach unten korrigieren müssen, so Müller.

Die Arbeitsbelastung der Postboten beschäftigt zunehmend auch das Berliner Arbeitsgericht. Derzeit sind nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi rund 20 Klagen von Zustellern gegen die Post anhängig. Wie gestern berichtet, sind manche Briefträger derart überlastet, dass sie ihre Touren abbrechen, wenn sie nach mehr als zehn Stunden – der gesetzlich zulässigen Höchstarbeitszeit – noch nicht mit der Verteilung fertig sind.

Mit den Arbeitsgerichtsverfahren möchten die Briefträger erreichen, dass die Post Überstundenzuschläge für Arbeitsstunden zahlt, die über die 38,5-Stunden Woche hinausgehen. Die Post lehne dies ab, sagt Verdi-Fachbereichsleiter Stephan Teuscher. Sie verweise darauf, dass diese Stunden beispielsweise während der Ferienzeit wieder ausgeglichen werden können, wenn erfahrungsgemäß weniger Sendungen ausgetragen werden müssen. In erster Instanz hat das Arbeitgericht bereits einem Zusteller Recht gegeben. Nachdem die Post in Berufung gegangen ist, muss nun das Landesarbeitsgericht über die Klage entscheiden.

Aber nicht nur in Berlin gibt es vermehrt Schwierigkeiten. Im Flächenstaat Bayern liegen laut dem dortigen Verdi-Landesverband diverse Beschwerden der Gewerbeaufsicht vor, weil die Höchstarbeitszeit regelmäßig überschritten wurde.sik/CD

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