Berlin : Briefträger plünderte Konten

Kredit- und Bankkarten aus der Post gefischt und anschließend PIN-Nummer abgefangen

-

Einen Überblick hat Heinz B. nicht. „Ich kann keine Angaben zur Höhe des Schadens machen“, ließ er gestern über seinen Anwalt erklären. „Ich habe mir auch Namen und Adressen der Geschädigten nicht gemerkt.“ Der 44jährige B. soll als Briefträger insgesamt 44 Kredit- und Bankkarten aus der Post gefischt haben. In vielen Fällen sei es ihm auch gelungen, die Mitteilung mit der entsprechenden PIN-Nummer abzufangen. Laut Anklage plünderte er zwischen Februar und Dezember 2001 insgesamt 18 fremde Konten. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Schaden in Höhe von rund 50 000 Euro aus.

Weinend saß B. vor dem Amtsgericht Tiergarten. „Ich war spielsüchtig“, hieß es in seinem Teilgeständnis. Und der Griff in die Post sei leicht gewesen. „Da standen morgens mindestens 50 Kiepen mit Briefen, die sortierten werden mussten.“ Keiner habe sich dafür interessiert, „wer welche Kiepe nahm“. Weil seine finanzielle Lage schlecht war und er immer wieder am Spielautomaten viel Geld verlor, habe er zugegriffen. „Aber alle Vorwürfe treffen nicht zu“, beteuerte der Angeklagte. Bei einigen Taten sei er nachweislich mit Frau und Tochter im Urlaub gewesen.

Den Verdacht, dass er einige der Karten auch verkauft haben könnte, bestritt B. „Ich habe gehört, dass es noch zwei Briefzusteller gab, die EC-Karten aus der Post genommen haben“, hieß es in der schriftlichen Erklärung des Angeklagten, der damals im Postamt in der Steglitzer Bergstraße arbeitete. Als die Polizei die Wohnung von Heinz B. durchsuchte, wurden noch knapp 10 000 Euro in bar und einige Bankkarten gefunden. Sie lagen in einem kleinen Tresor. Die Ehefrau des Postboten war entsetzt. „Mir war nichts aufgefallen an meinem Mann“, sagte die 34-jährige im Prozess. Der Briefzusteller verlor sofort seinen Job. „Ich möchte mich bei allen entschuldigen“, sagte er dem Richter und schluchzte. Jetzt arbeitet er bei der Straßenreinigung. „Und meine Spielproblematik habe ich inzwischen in den Griff bekommen“, beteuerte B.

Der Prozess um Unterschlagung, Betrug und Verletzung des Postgeheimnisses wird in der kommenden Woche fortgesetzt. K. G.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben