Berlin : Briefwahl bricht alle Rekorde

Höhere Wahlbeteiligung damit nicht garantiert

Voraussichtlich 450 000 Berliner werden bis Sonntag die Briefwahlunterlagen beantragen. Am letzten Wochenende waren es schon 411 408. Für eine Abgeordnetenhauswahl wäre das ein neuer Rekord. An der Wahl vor fünf Jahren nahmen knapp 344 000 Bürger auf dem Postweg teil. Das war bis dahin der höchste Wert. Nur bei den Bundestagswahlen lag die Zahl der Briefwähler in Berlin seit 2002 jeweils über 400 000. An diesen Wahlen beteiligten sich aber auch insgesamt viel mehr Bürger.

Zum Vergleich: Bei der Abgeordnetenhauswahl 2006 betrug die Wahlbeteiligung 58 Prozent, bei der Bundestagswahl 2009 immerhin 70,9 Prozent. Weist also die Rekordzahl an Briefwählern bei dieser Wahl darauf hin, dass sich mehr Wähler als beim letzten Mal an der Abgeordnetenhauswahl beteiligen? Möglich wäre es, aber es ist nicht sicher. Dafür müsste man bereits wissen, wie hoch der Anteil der Briefwähler an der gesamten Wählerschaft sein wird. Diese Frage könnte nur ein Blick in die Kristallkugel beantworten. Aber es gibt Erfahrungswerte. Bei der Bundestagswahl 2009 lag die Briefwahlquote bei 26,5 Prozent. Das ist Berliner Rekord. Bei der Abgeordnetenhauswahl 2006 waren es 24,4 Prozent.

Wenn diese Quoten bei der Wahl 2011 nicht überschritten werden, ist nach Adam Riese mit einer Wahlbeteiligung von 65 bis 70 Prozent zu rechnen. Und zwar auch dann, wenn man bei den 450 000 erwarteten Briefwahlanträgen einen gewissen Schwund mitrechnet. Fünf bis zehn Prozent der Antragsteller wählen erfahrungsgemäß doch nicht. Aber: Es könnte auch sein, dass die Briefwahlquote, die seit 1990 in Berlin (damals 9,3 Prozent) stetig steigt, neue Höhen erklimmt. Sollte sie 30 Prozent erreichen, errechnet sich daraus eine Wahlbeteiligung von 56 Prozent. Das wäre eine neue Tiefstmarke – noch einmal zwei Prozent weniger als im Herbst 2006.

Das Interesse an der Briefwahl ist in den zwölf Berliner Bezirken unterschiedlich ausgeprägt. Die meisten Briefwähler gibt es in Steglitz-Zehlendorf (bis einschließlich Freitag: 51 160), in Tempelhof-Schöneberg (46 131) und Pankow (44 850), die wenigsten in Lichtenberg (22 954), in Spandau (24 763) und Friedrichshain-Kreuzberg (26 214). za

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