Brieskow-Finkenheerd : Andacht für getötete Babys

Nach dem Fund von neun Babyleichen haben rund 100 Menschen im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd am Donnerstag der getöteten Säuglinge gedacht.

Brieskow-Finkenheerd (04.08.2005, 20:43 Uhr) - Pastorin Christiane Mantschew wollte damit auch ein deutliches Zeichen für die Angehörigen der beschuldigten Mutter, die ihre neun Kinder nach der Geburt getötet haben soll, setzen. «Wir lassen euch auf diesem schweren Weg nicht allein», sagte sie vor der Gemeinde in der evangelischen Martin-Luther-Kirche. Fahnder entdeckten unterdessen bei ihrer Suche keine weiteren Leichen. Drei Tage lang hatten Kriminalisten ehemalige Wohnungen und Grundstücke der 39-jährigen beschuldigten Mutter durchsucht.

Angehörige der beschuldigten Sabine H. nahmen an der Gedenkveranstaltung nicht teil. Die Pastorin sagte, sie habe das familiäre Umfeld der Frau besucht. «Die Angehörigen machen derzeit Schweres durch.» Jeder Mensch habe eine Würde, sagte sie. Auch wenn er verdächtigt werde, diese Würde müsse gewahrt bleiben. Auch Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) und der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), Martin Patzelt, waren am Donnerstag in der Kirche in Brieskow-Finkenheerd.

In dem Ort waren am Sonntag die sterblichen Überreste der Neugeborenen auf einem Privatgrundstück entdeckt worden. Die Mutter wird des Totschlags an neun ihrer 13 Kinder beschuldigt. Die 39- Jährige aus Frankfurt (Oder) sitzt seit Wochenbeginn in Untersuchungshaft. Nun soll ein Psychiater klären, ob die Mutter schuldfähig ist.

Die Obduktion der Babyleichen ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) abgeschlossen. Jedoch sind die sterblichen Überreste der Neugeborenen noch nicht zur Bestattung freigegeben, sagte Behördensprecher Ulrich Scherding. Die Ermittler wollten die Ergebnisse von Laboruntersuchungen abwarten. Danach entscheide die Familie über die Bestattung.

Sabine H. hatte nach eigenem Bekunden die Kinder ohne fremde Hilfe zur Welt gebracht und mit niemandem darüber gesprochen. Die Todesumstände liegen noch im Dunkeln.

Unterdessen kümmerten sich zwei Brandenburger Ministerien sowie örtliche Behörden um die Angehörigen der Frau. Ihnen seien Beratungs- und Hilfsmöglichkeiten angeboten worden, hieß es aus dem Sozialministerium. Auch Vertreter des Jugendministeriums hatten die Verwandten in Brieskow-Finkenheerd besucht. Über den konkreten Inhalt des Gesprächs wurde Vertraulichkeit vereinbart. (tso)

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