• Brigitta Pohland Geb. 1938: Sie war ein Leben lang damit beschäftigt, den falschen Schein zu entlarven. Brigitta Pohland war Berlins einzige Edelstein-Fachfrau.

Berlin : Brigitta Pohland Geb. 1938: Sie war ein Leben lang damit beschäftigt, den falschen Schein zu entlarven. Brigitta Pohland war Berlins einzige Edelstein-Fachfrau.

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Original oder Fälschung? Wenn Brigitta Pohland in ihrem Labor arbeitete, ging es um diese Frage und um viel Geld. Damit hat sich die einzige Edelsteinfachfrau Berlins mehr als 30 Jahre beschäftigt: Ob die Edelsteine, die sie durchs Präzisionsmikroskop begutachtete wirklich echt sind. Ob jemand wissen wollte, was das Erbstück der Tante wert war, oder ob ein Juwelier sich unsicher war in der Einschätzung eines Edelsteins oder eines Diamanten - Brigitta Pohland war für viele die letzte Instanz.

Ihre Arbeit nahm sie ernst, sehr ernst. "Sie wollte es immer ganz genau wissen, wollte absolut sicher sein. Bevor sie ein Gutachten schrieb, an dem sie selbst zweifelte, wiederholte sie die Untersuchungen, beriet sich mit Kollegen", sagt ihr Mann Kurt Pohland, ebenfalls ein Fachmann für Edelsteine. "Sie war eine stille Streberin", schreibt er in einem kleinen Heft, das er zu ihrem Andenken verfasst hat.

Im eigenen Labor arbeitete Brigitta Pohland bis zur Auflösung des Juweliergeschäftes ihres Mannes am Theodor-Heuss-Platz in Charlottenburg. Danach richtete sie sich in der Reichstraße ein komplettes Labor ein. Brigitta Pohland, die täglich mit wertvollem Schmuck zu tun hatte, trug selbst nur wenige, schlichte und zeitlose Stücke. Sie wollte um keinen Preis auffallen, weder mit einer großen Brosche, einem schweren Collier oder einem monströsen Ring.

Im Rampenlicht zu stehen, war ihr peinlich. "Menschen, die sich vordrängeln, im Zentrum des Geschehens sein müssen, mochte sie nicht", sagt Kurt Pohland. Sie bevorzugte ein Leben in der zweiten Reihe. Dass manche aus diesem Grund eine graue Maus in ihr sahen, hat sie verletzt, hat sie aber nicht von ihren Prinzipien abgebracht. Brigitta Pohland suchte nicht nach dem schönen Schein, sondern nach echten Beziehungen, echten Gefühlen und, ja, echten Steinen. Sie war fasziniert von natürlicher Schönheit. Dabei spielte der materielle Wert kaum eine Rolle. Die Verschiedenheit der Edelsteine, die variantenreichen Verfärbungen durch Verunreinigungen und Einschlüsse waren ihr eine Freude.

Der Smaragd war ihr Lieblingsstein. Dass gerade diese zurückhaltende Frau sich mit Luxusgegenständen beschäftigte, war purer Zufall: Bei einem Maifest der Kolpingjugend in Hamburg lernte sie 1959 ihren zukünftigen Mann Kurt Pohland, einen Juwelier, kennen. Bis dahin hatte sie zu wertvollem Schmuck keinen Bezug. Mit ihrer Mutter und der Schwester war Brigitta Pohland 1946 aus dem Sudetenland nach Hamburg übergesiedelt. Ihre Familie war arm. Schmuck gab es nicht. Für Kurt Pohland, den Uhrmacher und Juwelier, zog sie nach Berlin in die Reichstraße 47. Die gelernte technische Zeichnerin und Heizungstechnikerin begann, sich für die edlen Steine zu interessieren. Noch einmal fasste sie auf Neuland Fuß. Zunächst als Kauffrau im Geschäft, später eignete sie sich ihr umfassendes Wissen über Edelsteine und Diamanten an.

Und zog zwei Kinder groß. Als Geschäftsfrau, Sachverständige und Mutter führte sie ein anstrengendes und erfolgreiches Leben. Fast alles, was sie begann, gelang. Doch dann kam die Krankheit. Gegen den Krebs hatte sie schon bei der Diagnose keine Chance. Lebensverlängernde Therapien lehnte sie ab. Sie wollte sterbend niemandem zur Last fallen: "Die Zeit danach wird schwer genug", sagte sie zu ihrem Mann.

Sie wollte in seiner Nähe bleiben, zu Hause sterben. Eine häusliche Krankenpflege wurde engagiert. Die Besuche des Kaplans ihrer Gemeinde wurden zum wichtigen Bezugspunkt. Viel Zeit zum Abschiednehmen blieb ihr nicht. Brigitta Pohland starb wenige Wochen nach der Diagnose, klaglos und entschlossen. Ihr Mann begleitete sie dabei.

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