Berlin : Brillanz und Bürgersinn

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Auch ein Konzert kann mit einer Bilanz anfangen. Dieses allemal, denn mit dem Sonntagnachmittag im Kammermusiksaal – den man nicht immer so voll besetzt findet – beging „Menuhin live music now“ Berlin sein zehnjähriges Bestehen. Die musikalisch-soziale Initiative, die junge Künstler zu Konzerten in Krankenhäuser, Stifte und Seniorenheime bringt, hat inzwischen rund 1200 Konzerte veranstaltet und 276 junge Künstler gefördert, nur mit selbst eingeworbenen Spenden. Die Vorsitzende Asta von Oppen verkündete es stolz und bescheiden zugleich. Denn die Initiative hat sich inzwischen zwar etabliert. Aber sie bleibt ein durch und durch bürgerschaftliches Unternehmen, getragen, organisiert, präsentiert von ebenso aktiven wie kultivierten Damen, was ihr zusätzlichen Charme gibt.

Zum Jubiläum drehte der Verein doch etwas auf. Menuhins Tochter, Zamira Menuhin-Benthall , war eigens aus London gekommen – nicht allein, um den Verein zu beglückwünschen, sondern auch, um daran zu erinnern, dass ihr Vater dem musikalischen Berlin besonders verbunden war. Das Programmheft hatte schon etwas von einer kleinen Festschrift – mit Grußworten ebenso von Daniel Barenboim wie von Klaus Wowereit und eindrucksvollen Arbeitszeugnissen. Und mit dem Klavierduo Mona und Rica Bard gab es den Auftritt zweier junger Damen, die zugleich mit Brillanz und vierhändig gemüthaftem Musizieren beeindruckten.

Vor allem war da Thomas Quasthoff . Der kam, sang und siegte – weil er in sympathischer Direktheit für den Verein warb und zugleich, zusammen mit dem glänzenden amerikanischen Pianisten Gabriel Kahane , einen anderen Quasthoff vorführte. Der überraschte manchen, als ein hinreißender Sänger, der zwischen American Song und Jazz spielt, witzig konferiert und sich überhaupt als Spaßvogel erweist. Selten hat man ihn so strahlend vergnügt gesehen, selten so zwerchfell-schwingende Evergreens oder einen so ironisch originellen Macky-Messer-Verschnitt gehört. Wäre es im Kammermusiksaal üblich, auf den Stühlen zu stehen – das Publikum hätte es getan. Rdh.

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