Berlin : Brillengebühr: Berliner Augenärzte kassieren schon

Bis 20 Euro für Sehstärkemessung / Auch Optiker bitten zur Kasse

Ingo Bach

Sehschwache, die älter als 18 Jahre sind, zahlen in diesem Jahr doppelt für eine neue Brille drauf: zum einen, weil die Krankenkassen seit dem 1. Januar keinen Zuschuss mehr für die Brillengläser gewähren, und zum anderen, weil Augenärzte und Optiker für die Verschreibung und Anpassung der Sehhilfe jetzt extra kassieren.

Nun drohen den Augenärzten rechtliche Konsequenzen. „Sollten wir hier einen umfassenden Missbrauch feststellen, dann werden wir die jeweiligen Aufsichtsbehörden zum Eingreifen auffordern“, kündigte der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Klaus Vater, an.

Der Berliner Augenarzt und gleichzeitige Bundesvorsitzende des Augenarztverbandes Uwe Kraffel reagierte gestern gelassen auf diese Warnung. „Unsere Aufsichtsbehörde ist die Kassenärztliche Bundesvereinigung“ (KBV). Und die schlug sich gestern überraschend auf die Seite der Augenärzte. „Deren Position ist rechtskonform“, sagte KBV-Chef Manfred Richter-Reichhelm nach einem gespräch mit Kraffel am Dienstag Abend. „Wir erwarten nun eine Klarstellung der Gesetzesgrundlage.“ Dazu werde man sich am kommenden Montag mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen zusammensetzen. Ziel sei es, gesetzlich klar zu regeln, dass die Brillenbestimmung wieder Teil der Kassenleistung ist. Bis dahin appelliert die KBV an die Augenärzte, im Interesse der Patienten auf die Gebühr zu verzichten. Richter-Reichhelm: „Ob die Ärzte dem Aufruf allerdings folgen, kann ich nicht sagen."

Nach einer stichprobenartigen Befragung des Tagesspiegels erheben einige Berliner Augenärzte diese Gebühr bereits seit vergangenem Montag. Andere warten noch ab, wie der Streit ausgeht. Insgesamt gibt es in Berlin rund 300 Augenärzte. „Die Brillengläser sind nicht mehr Bestandteil der Kassenleistung, also auch nicht deren Verschreibung“ sagt Uwe Kraffel. „Wir empfehlen deshalb unseren Mitgliedern, je nach Aufwand dafür 15 bis 20 Euro zu berechnen.“

Die Kassen raten grundsätzlich allen gesetzlich Versicherten, nicht zu zahlen, sagt der Sprecher der Berliner Ersatzkassen, Andreas Kniesche. „Die Krankenkassen können diese Gebühren nicht erstatten."

Doch nicht nur die Augenärzte berechnen eine Gebühr, sondern auch Optiker. Bisher habe man für die Bestimmung der Sehstärke und die Brillenanpassung von den Krankenkassen einen Festbetrag erhalten, sagt Alexander Ceccarelli, Vorsitzender der Berliner Augenoptiker-Innung. Weil dieser Betrag seit dem 1. Januar weggefallen sei, müssten die Patienten dafür zahlen. „Schließlich erbringen wir eine Dienstleistung und dafür muss natürlich ein Entgelt erhoben werden.“ Den Optikern sei es aber freigestellt, ob und welchen Preis sie verlangen.

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