Berlin : Brisante Mischung

16-jähriger Täter hat früher die Leistikow-Schule besucht – eine Problemschule in Zehlendorf

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Mit der Aufklärung des Mordes geriet gestern auch die LeistikowHauptschule in das Interesse der Polizei. Beamte ermittelten im Schulgebäude und der dazugehörigen Schulstation. Denn der 16-Jährige, der die Tat gestanden hat, war auch dort zur Schule gegangen; es war jedoch nicht seine letzte Schule. Er soll die Leistikow-Schule schon vor Jahren verlassen haben. Aber nicht zum ersten Mal wird die Schule im Zusammenhang mit gewalttätigen Schülern genannt. Von einer „sehr schwierigen Struktur“ dort, spricht Jugendstadträtin Anke Otto (Grüne). Andere Schulexperten nennen dies eine „brisante Zusammensetzung“. Das liege vor allem daran, dass in die Schule viele Jugendliche aus allen möglichen Bezirken kommen, die andere Schulen nicht genommen haben oder die von anderen Einrichtungen verwiesen worden sind. Im Einzugsbereich gebe es eher bildungsinteressierte Eltern, die auch ihre lernschwachen Kinder nicht auf eine Hauptschule, sondern eher auf eine Gesamtschule schicken. Die Leistikow-Schule ist in Zehlendorf die einzige Hauptschule.

Immer wieder kam die Schule ins Gerede: Schlagzeilen machte im Frühjahr 2003 der damals 16-jährige Schüler Sawis. Er hatte nach einem Streit auf einem Marienfelder Schulhof fünf Lehrer verprügelt. Bei der Polizei war Sawis zu dem Zeitpunkt bereits als Serientäter wegen 60 weiterer Vorfälle registriert. In diesem Jahr wurde Sawis erneut gewalttätig.

Bereits Ende der neunziger Jahre wurden an der Schule Delikte wie Erpressung, Drogenhandel, Waffenbesitz bekannt. Lehrern wurde Prügel angedroht, auch einem Schulrat, der einen Schüler der Schule verwiesen hatte. Bei einer Razzia, um die der Schulleiter gebeten hatte, suchte die Polizei nach Waffen. Die Ausbeute der Razzia war erschreckend: Beschlagnahmt wurden Messer mit langen Klingen und zwei Gaspistolen.

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, hat der Bezirk an der Schule eine so genannte Schulstation eingerichtet, in der die Kinder und Jugendlichen betreut werden können. Hier gibt es zum einen Freizeitangebote, zum anderen sozialpädagogische Hilfen. Außerdem können Lehrer auf dieses Angebot zurückgreifen und problematische Jugendliche in die Schulstation schicken, wenn an einen vernünftigen Unterricht mit ihnen nicht zu denken ist, sagt Jugendstadträtin Otto. Dort könne man sich viel intensiver um sie kümmern. 14 dieser Einrichtungen gibt es im Bezirk. Ihre Zukunft ist derzeit allerdings unklar. Otto will die Stationen abschaffen, durch andere Angebote der Schulsozialarbeit ersetzen und dadurch Geld sparen. Gestern wollte der Jugendhilfeausschuss des Bezirks darüber debattieren. sik

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