• Brisanter Prozess: Mit drei Jahren nach Berlin geholt - Angeklagter Jugendlicher hat fünf Geschwister

Berlin : Brisanter Prozess: Mit drei Jahren nach Berlin geholt - Angeklagter Jugendlicher hat fünf Geschwister

Suzan Gülfirat

Herr A. lebt seit 21 Jahren in Deutschland und arbeitet als Fahrer in einer Firma für Gartenbau. Seine Frau holte er erst vor elf Jahren nach Berlin, die seitdem zu Hause blieb, um die wachsende Familie zu versorgen. Sie brachte damals auch die drei Kinder mit, die in der Türkei auf die Welt kamen. Die beiden älteren Söhne, heute 23 und 20 Jahre alt, waren damals 12 und 9. Der Ältere ist nun Imbissbesitzer und der andere macht eine Malerlehre. Erdal, der vor der Tat die Gesamtschule besuchte, war erst drei Jahre alt. Fast fünf Jahre später kam dann der vierte Sohn zur Welt - eigentlich hatte sich der Vater eine Tochter gewünscht. Deswegen kam auch noch ein fünftes Kind - wieder ein Junge, der jetzt in die Schule kommt. Erst als sechstes Kind wurde Sechte geboren. Das Mädchen ist jetzt drei Jahre alt.

Die Familie wohnt in Spandau in einer Altbauwohnung, die modern eingerichtet ist. Frau A. sagt, dass ihr Sohn aufgrund des Altersunterschiedes trotz seiner vielen Geschwister keine Spielkameraden hatte. Die Suche nach einem Anwalt dauerte lange, denn bei dem ersten Juristen mussten sie drei Wochen auf einen Termin warten. Ein anderer wollte viel Geld. Nun haben sie vom Bezirksamt Spandau einen Pflichtverteidiger gestellt bekommen. Von der Berichterstattung in den Medien ist die Familie sehr enttäuscht. Sie hoffte auf Solidarität mit ihrem Sohn und darauf, dass die Öffentlichkeit gegen die Absicht von Innensenator Eckart Werthebach protestiert, den Jugendlichen abzuschieben. Auch versteht die Mutter die Welt nicht mehr. Noch vor dem Bekanntwerden der Anklage sagte sie: "Sie behandeln ihn, als sei er ein Mörder."

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