Berlin : Britische Botschaft: Die Queen winkt jetzt online

Andreas Lohse

"Staatsministerin für Wettbewerbsfähigkeit" klingt wie ein Phantasiename von Douglas Adams, aber Helen Liddell gibt es wirklich. Die Britin steht mit Botschafter Sir Paul Lever in einem Internetcafe an der Chausseestraße in Mitte und eröffnet die Website der britischen Botschaft. Und die lässt nun allerdings wenige Fragen offen. Die Seiten unter www.britischebotschaft.de sind nämlich nicht nur eine Selbstdarstellung der Botschaft in Berlin, sondern ein Tor zu England. "Wir gehen davon aus, dass diejenigen, die sich der Seite im Internet nähern, Erfahrung im Umgang mit Computern mitbringen", sagte Lever, und deshalb hat man sich auch getraut, die Seiten komplex zu gestalten.

Das ursprünglich sehr viel kleiner geplante Projekt hat sich just verselbständigt und ist nun eine sprudelnde Informationsquelle über Politik, Geschichte, Bildung und aktuelles Zeitgeschehen geworden, mit jeder Menge Links zu weiteren Institutionen. Die Rolle der EU in der britischen Politik? Die Position Englands zu den Menschenrechten? - Oder die Bedingung der Einreise von Haustieren? Wer unter "Going to Britain" klickt, findet heraus, dass diese ab dem 28. Februar ohne Quarantäne mit in das Königreich gebracht werden können, die Tiere aber in den letzten 24-48 Stunden vor Abreise gegen Bandwürmer und Zecken behandelt werden müssen. Die königliche Familie ist mit Fotos und Lebensläufen vertreten. Das Verhältnis der Queen zu Pferden oder warum sie zweimal Geburtstag feiert, wie die Krönungszeremonie stattfindet, wird keinem mehr ein Geheimnis bleiben müssen. Es gibt eine Liste der zehn nächsten Thronanwärter und eine Antwort auf die Frage, ob Briten, die in Deutschland leben, ihr heimatliches Wahlrecht behalten dürfen. Und wen als Brite das Heimweh nach seinem Cricket-Club zu sehr schmerzt, der bekommt eine Berliner Adresse genannt. Wer zuviel verdient, kann sich in den Steuerlisten informieren, ob es sich gar lohnt, Richtung Albion auszuwandern. Und wenn am 18. Juli die Queen in der Wilhelmstraße die Botschaft eröffnen wird, kann man sie hier online winken sehen. ded

Namibia kauft in Dahlem, Bolivien mietet in Zehlendorf. Pakistan kauft in Wilmersdorf, Malaysia baut in Tiergarten: Auch die Karawane des Diplomatischen Corps findet mittlerweile ihren Weg in die Hauptstadt. Doch eine repräsentative Residenz, gar einen Bauplatz zu finden, der internationalen Gästen Renommee verschafft, ist für Ortsunkundige nicht einfach. Mit 100 Quadratmetern Bürofläche kann eine Botschaft kaum etwas anfangen - sie allenfalls einem Mitarbeiter als Wohnung überlassen. "Etwa 400 bis 600 Quadratmeter - das ist für die meisten Minimum", konstatiert Dieter Oel, Mitarbeiter der Berliner Botschaftsbörse.

Hier finden Diplomaten Rat und Tat. Die Interessenten werden umfassend betreut - auf Wunsch bis hin zur Unterzeichnung des Miet- oder Kaufvertrages. "Wir sind ihnen bei der Suche nach geeigneten Liegenschaften behilflich: Grundstücke, Kanzleiräume, Residenzen bis hin zu den Wohnungen der Mitarbeiter", erklärt Hiltrud Sprungala, sowohl Geschäftsführerin der Börsen-GmbH als auch des Landesverbandes Freier Wohnungsunternehmen. In deren Zentrale in der Kurfürstenstraße ist die Institution angesiedelt, die - angeregt auch durch den Regierenden Bürgermeister - bereits 1995 gegründet wurde. "Wir arbeiten bedarfsgerecht, das heißt, wir nehmen die Wünsche der Botschaften entgegen und suchen dazu die passenden Angebote heraus." Die großen Länder seien inzwischen versorgt.

Ideell wird diese Einrichtung getragen von der Berliner Senatskanzlei, dem Auswärtigen Amt sowie der Industrie- und Handelskammer. Finanziert wird die Arbeit über die Anbieter von Immobilien, die für erfolgreiche Vermittlungen von Käufern oder Mietern eine Prämie zahlen. Die Arbeit selbst ist der eines Maklers vergleichbar. "Wir arbeiten auch mit freien Maklern zusammen, ebenso mit Privatanbietern und Bauträgern - also mit allen, die etwas Adäquates anzubieten haben." Dazu gehören auch Zwischenlösungen für den Zeitraum, bis der Neubau so mancher Botschaft fertiggestellt und bezugsfertig ist. Der Umzug des Diplomatischen Corps von Bonn nach Berlin habe inzwischen "eine solche Dynamik gewonnen, dass beinahe täglich neue Standortentscheidungen getroffen werden", heißt es. Das Gesamtvolumen allein für Kaufabschlüsse betrug bis September rund 120 Millionen Mark. Kann man die jüngsten Vertragsverhandlungen erfolgreich abschließen, beläuft sich diese Summe bereits auf 130 Millionen Mark.

Die Botschaftsbörse soll zwar im wesentlichen eine Anlaufstelle für diplomatische Vertretungen sein. Gleichwohl steht das Leistungsangebot darüber hinaus auch Verbänden, Organisationen, Ministerien und deren Mitarbeitern kostenlos zur Verfügung, und werde, so Dieter Oel, inzwischen "auch von diesen Interessenten verstärkt in Anspruch genommen". Kontakt: Botschaftsbörse, Kurfürstenstraße 84, 10787 Berlin, Tel. 030 / 23 09 58 - 21, Fax -30.

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