Berlin : Britische Botschaft

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VON TAG ZU TAG

Markus Hesselmann über ein

englisches GentlemanSpiel und den Terror

Draußen hängt der Union Jack auf halbmast, drinnen werden England-Fahnen geschwenkt: Die Britische Botschaft in der Wilhelmstraße feiert ihre Rugby-Weltmeister. Die am Ende ganz knapp unterlegenen Australier sind gute Verlierer und feiern mit. Rugby, das raue Gentleman-Spiel, hat sie an diesem Samstagmorgen zusammengebracht: Die Mitarbeiter der beiden Botschaften, ihre Verwandten, ihre Freunde. Es gibt englisches Frühstück, australisches Bier, deutsches Sportfernsehen.

Alles hier sagt: weitermachen. Auf jeden Fall. Die Leute von der Britischen Botschaft haben vorher überlegt, ob jemand ein paar Worte zu den Anschlägen von Istanbul sprechen soll. Das war nicht nötig, erkannte man bald. Sie feiern, doch sie trauern auch. Sie kannten viele ihrer Kollegen gut, die durch den Bombenterror ums Leben gekommen sind. Einige von ihnen waren Freunde. Und sie waren auch Rugby-Fans. Der Gospelsong „Swing Low, Sweet Chariot“ wird an diesem Morgen gesungen. Doch das ist beim Rugby immer so.

Auf die Idee, die Weltcup-Feier aus Pietät abzusagen, ist hier niemand gekommen. Die Briten haben eine Botschaft: Wir machen genauso weiter und lassen uns unseren zivilen Way of Life von Terroristen nicht kaputtmachen. Die Briten wollen aus ihrem Haus in Berlin auch jetzt keine Festung machen. Es soll ein offenes Haus bleiben mit Veranstaltungen für die Berliner. Schauen Sie doch auch mal vorbei.

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