• Britische Musikindustrie in Berlin: Irish Modern Music Institute öffnet in Friedrichshain

Britische Musikindustrie in Berlin : Irish Modern Music Institute öffnet in Friedrichshain

Die Britische Musikinstitute bildet in Berlin aus. Nach den Abbey Road Studios kommt jetzt auch das BIMM nach Berlin.

Thomas Winkler
Kopf hoch. Ob es auch Kurse in Headbanging gibt?
Kopf hoch. Ob es auch Kurse in Headbanging gibt?Foto: Promo

Die Briten liefern sich einen Wettlauf um Berlins musikalische Talente. Nach den legendären Abbey Road Studios öffnet jetzt auch das berühmte British and Irish Modern Music Institute, kurz BIMM, eine Außenstelle in Berlin. Beide Institutionen werben um musikalischen Nachwuchs, der sich von ihnen ausbilden lassen will. Für das BIMM, nach Selbstdarstellung die „größte und führende Institution in Großbritannien und Europa“, die „eine Ausbildung in moderner Musik anbietet“, ist es die erste Dependance außerhalb Großbritanniens. Am heutigen Donnerstag wird sie eröffnet.

Ungefähr 70 Studenten werden künftig in dreijährigen, praxisbezogenen Studiengängen wie „Creative Musicianship“, „Songwriting“ und „Music Business“ ausgebildet und mit einem Bachelorabschluss nach Hause gehen. In den kommenden Semestern soll das Angebot um Kurse in „Producing“ und „Eventmanaging“ erweitert werden. Ein Zuhause gefunden hat BIMM Berlin in den Räumen des Kooperationspartners Noisy Musicworld in der Warschauer Straße.

Aktive Popmusiker oder Produzenten gehören zu den Lehrern

Bei den Abbey Road Studios startet der erste Kurs „Advanced Diploma in Music Production and Engineering“ am 26. Oktober. In zwölf Monaten können Studenten hier alles aus den Bereichen Tontechnik und Musikproduktion lernen.

Das BIMM bietet wie Konservatorien oder Pop-Business-Kurse nicht nur eine musikalische oder geschäftliche Ausbildung an, sondern seinen Studenten auch die Möglichkeit, ein Netzwerk aufzubauen, ohne das man im Musikgeschäft kaum Karriere machen kann. Dafür sind die bisherigen Standorte in London, Brighton, Manchester, Bristol und Dublin mit insgesamt 4500 Studenten wohl tatsächlich der geeignete Platz. Zudem gehören Plattenfirmenmitarbeiter, aktive Popmusiker oder Produzenten zu den Lehrern und Tutoren. In Berlin sind das beispielsweise Gary Walker, Manager von The Kills und Austra, der frühere Siouxsie-and-the-Banshees-Schlagzeuger Peter „Budgie“ Clarke oder die Berliner Musikerin Toni Kater. Auch beim Abbey Road Institute sind die Lehrenden vom Fach – „Learn from the masters“ heißt es dort.

In einer Branche der Rockstars zählt der BIMM-Abschluss etwas

Das BIMM wirbt obendrein damit, dass 80 Prozent der Studierenden später auch ein Auskommen in der Musik finden. Zwar werden die wenigsten Popstars wie die in Großbritannien prominenten und preisgekrönten BIMM-Absolventen The Kooks, Kate Nash, George Ezra, James Bay oder Tom Odell. Aber viele finden Jobs als Songschreiber oder Produzenten, Live- oder Session-Musiker, arbeiten für Labels oder Agenturen. Das BIMM bildet, wenn man so will, das Fußvolk der Popindustrie aus. In einer Branche, in der das Schulbankdrücken einst als Hochverrat galt, zählt der BIMM-Abschluss etwas. Auch weil der Rock ’n’ Roll zwar noch beliebt ist, der Sex und die Drogen aber bei jungen Menschen oft einer verantwortungsvolleren Laufbahnplanung Platz gemacht haben.

7450 Euro kostet ein Schuljahr, für nicht EU-Bürger steigen die jährlichen Studiengebühren gar auf 12 450 Euro – warum dieser Unterschied gemacht wird, lässt das BIMM offen. Mehr als 120 Bewerbungen für die 70 Berliner Plätze seien eingegangen, sagt Direktorin Vaseema Hamilton. Aus 17 verschiedenen Ländern kamen die Bewerbungen, „eine sogar aus Indien, der Großteil aber, 40 Prozent, aus Deutschland“. Unter den deutschen Studenten wurden sechs Stipendien vergeben, „unser Beitrag zum deutschen Pop-Geschäft“, sagt Hamilton, die die Berliner Zweigstelle ihrer Schule nicht als Konkurrenz zu bereits existierenden Einrichtungen, sondern als „ergänzendes Angebot“ versteht.

Dass das BIMM nun in Berlin seine Zelte aufschlägt, begründet Hamilton mit „der großen pophistorischen Bedeutung der Stadt“. Dass auch die ungebrochene Anziehungskraft auf junge Menschen eine Rolle gespielt hat, hier eine Dependance aufbauen zu wollen, beweisen die beiden englischen BIMM-Studenten, die bei einer Präsentation des Instituts zwei hübsche, wenn auch etwas brave Folk- Popsongs spielten. Der Moderator fragt die Pianistin, was sie von Berlin hält. Es stellt sich heraus, dass sie und ihr Bandpartner seit „vier, fünf Monaten auch hier leben – und was soll ich sagen: es ist ein Trip“. Thomas Winkler

Mehr Informationen unter

www.bimm-institute.de und

www.abbeyroadinstitute.de

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