Berlin : Britische Nachhilfe für Berlin

Muslimische Delegation debattiert über Defizite

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So ganz kann der Brite Omar Faruk nicht verstehen, wieso nach den Londoner Anschlägen alle so überrascht waren. „Unter den jungen Moslems war schon seit Jahren eine große Wut zu spüren“, sagt der Rechtsanwalt, der mit einer muslimischen Delegation zum Erfahrungsaustausch in Berlin war. Als Warnung in Richtung von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und den anderen deutschen Gesprächspartnern fügt er hinzu: „Es wurde erst reagiert, als es zu spät war.“

Drei Tage lang war ein Dutzend muslimische Briten in Berlin, am Mittwoch trafen sie sich mit dem Innensenator. Verwundert hat die Besucher, wie selten deutsche Muslime in gesellschaftlich anerkannten Positionen arbeiten. „Die Barrieren sind höher als bei uns“, sagte Omar Faruk. In Großbritannien gälten sie als britischer oder europäischer Muslim, während man in Deutschland zuerst als Türke oder Araber wahrgenommen werde – was die Integration erschwere. Botschafter Peter Torry lobte sein Land als Vorbild für berufliche Integration von Muslimen. Medien, Universitäten und Justiz seien darin weiter als Deutschland.

Eine junge Britin nannte als Beispiel die so genannten Community Juries, die über soziale Belange in Wohnvierteln mitbestimmen dürften. „Die geben den Muslimen und anderen Gruppen das Gefühl, sie können bei wichtigen Fragen mitwirken.“ Ein junger Mann appellierte an die Deutschen, muslimische Bildungseinrichtungen stärker staatlich zu unterstützen. Dadurch helfe man der friedlichen Mehrheit und schütze sich davor, dass eine gewaltbereite Minderheit sich abschotte. lvt

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