Berlin : Britz feiert: Die Prinzessin in der Baugrube und der preußische Universalgelehrte

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Es ist eines der am besten erhaltenen Dörfer aus dem Mittelalter der Region: das Dorf Britz. Dieser Tage feiert es sein 625-jähriges Bestehen. Man schrieb also das Jahr 1375, als der Ort, bestehend aus Herrenhaus (heutiges Schloss Britz), Gutshof, Park, Kirche und Pfarrhaus, erstmals 1375 urkundlich erwähnt wurde - im Landbuch von Kaiser Karl IV. Doch schon viel früher siedelten hier Menschen, sogar schon zur zur Steinzeit.

Ein wichtiger Fund der frühen Geschichte ist das Skelett eines germanischen Mädchens, das Arbeiter Anfang der 50er Jahre an der Blaschkoallee entdeckten. Da in dem Grab reiche Beigaben aus Gold gefunden wurden, hatten die Südberliner rasch einen Namen parat: "Britzer Prinzessin".

Der dörfliche Charakter von Britz hielt sich bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bis um 1700 gehörte das Rittergut den Britzkes, die es knapp zweihundert Jahre besaßen. Später verbanden sich große Namen des preußischen Staates mit dem Anwesen: Hofmarschall von Erlach ließ das alte Gutshaus durch einen repräsentativen Bau mit zwei Geschossen ersetzen. Bis heute ist diese Grundform erhalten. Als der preußische Geheimrat Heinrich Rüdiger von Ilgen (1654 bis 1752) um 1720 das Gut erwarb, setzte ein erster Aufschwung ein. Ilgen erklärte seine Besitzungen zum lehnsfreien Gut.

Vor allem aber unter dem preußischen Minister und Allround-Gelehrten Ewald Friedrich von Hertzberg (1725 bis 1795) gelangt das Rittergut Britz zur Blüte. Dieser Aufklärer reformierte das Dorf. Durch ihn erhielt der Ort seine erste Mühle und die Schule. Die weitere Entwicklung des Dorfes schleppte sich im Vergleich zu anderen aufstrebenden Gemeinden im 19. Jahrhundert dahin. Entscheidend für die Besiedlung war die Nähe zu Rixdorf und damit zum späteren Groß-Berlin. Das Zentrum verlagerte sich vom alten Dorfkern in den nördlichen Gemeindeteil. Große Industriebetriebe zogen dann mit der Eröffnung des Teltowkanals zu Beginn des 20. Jahrhunderts her. Danach stieg die Bevölkerungszahl stark an.

Ein Baumboom setzte vor allem in Neu- Britz ein. Dort investierte der "Bauverein der Beamten und Handwerksmeister" unter dem Sozialreformer Carl Weder ab 1870 in das Nordbritzer Ödland, das parzelliert und für geringe Summen verkauft wurde. Die Pläne Weders, die preiswerten und gesunden Wohnraum vorsahen, scheiterten jedoch, da seine fortschrittliche Gesinnung bei den Bankiers geächtet wurde und ihn in den wirtschaftlichen Ruin trieb. Danach verkauften die Gläubiger seinen Grundbesitz billig, und es entstanden Mietskasernen.

1920 wurde Neu-Britz dem Großbezirk Neukölln einverleibt. Vier Jahre später verkauften die Wredeschen Erben das Britzer Rittergut an das Land Berlin. Zwischen 1925 und 1933 entstand hier das erste größere Siedlungsvorhaben, die Hufeisensiedlung von Martin Wagner und Bruno Taut. Und wieder sorgt ein Immoblienverkauf für Unruhe: die Siedlung soll privatisiert werden. Bis in die heutige Zeit wuchs Britz, vor allem mit dem Bau der Wohnsiedlung Britz-Süd in den 50er Jahren und der Verlängerung der U- Bahn bis dorthin.

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