• Broadway-TrauminderFriedrichstraße Adlon-Erbauer Jagdfeld macht Berlin ein Angebot: Er möchte das Metropol sanieren und dort „Cabaret“ aufführen

Berlin : Broadway-TrauminderFriedrichstraße Adlon-Erbauer Jagdfeld macht Berlin ein Angebot: Er möchte das Metropol sanieren und dort „Cabaret“ aufführen

Lothar Heinke

Anno August Jagdfeld hat einen Traum: Er möchte das seit fünf Jahren geschlossene Metropol-Theater zum Musicalhaus und die Friedrichstraße zum Broadway machen. Der Chef der „Fundus“-Gruppe will die Operettenbühne mit einem zweistelligen Millionenbetrag sanieren und dort das Musical „Cabaret“ aufführen lassen. Das Traditionshaus am Bahnhof Friedrichstraße könnte das Nachtleben auch durch verschiedene Shows bereichern. „Die Friedrichstraße kann unser Broadway werden“, sagt der Unternehmer.

Jagdfeld verspricht, den Denkmalschutz für das Haus – es wurde 1910 als Eislaufhalle erbaut – zu respektieren. Sanieren und als Musiktheater betreiben will er das Metropol aber nur, wenn er den Komplex zum symbolischen Preis von einem Euro erhält. Berlins Liegenschaftsfonds dagegen hofft, noch vor dem Ende der Ausschreibung am 31. Mai ein lukratives Angebot zu erhalten, das Geld in die leere Stadtkasse bringen könnte.

„Cabaret“ in einer neuen Berliner Version auf der Bühne des früheren Admiralpalastes: „Das Stück gehört ganz einfach zu dieser Stadt“, sagt der „Fundus“-Chef, der allein den Film mit Liza Minelli zehn Mal gesehen hat. Doch es geht ihm um mehr: Die nördliche Friedrichstraße bekäme mit einem restaurierten Metropol, mit dem Friedrichstadtpalast, dem Theater im Tacheles, dem Deutschen Theater und dem Berliner Ensemble eine unwiederbringliche Entwicklungschance, glaubt er. So könnte man „zu den Zentren der Welt, zu New York, London und Paris aufschließen“ und zeigen, dass an diesem Ort die permanente Show zuhause ist. Berlin – 24 Stunden geöffnet.

Der Tycoon, dessen Metropol-Idee jüngst der Londoner „Times“ eine halbe Seite wert war, beschreibt in der Fundus-Bewerbung für das Objekt, was wäre, wenn „anspruchsvolles erotisches Entertainment wie ,Crazy Horse‘ und ,Moulin Rouge‘ in Paris und das Musical Cabaret“ das Unterhaltungsangebot komplettierten. „Die Berliner und ihre Gäste fänden hier etwas von dem spannenden und leicht verruchten glamourösen Niveau wieder, das schon verloren geglaubt war. Im Wettbewerb mit anderen Metropolen kann hier Berlin etwas Einzigartiges mit geschichtlichem Bezug anbieten und manchen Berlin-Besucher motivieren, länger zu bleiben“ – zum Wohle der einheimischen Wirtschaft, der Taxis, Hotels, der Geschäfte, Theater, Museen, der Kinos, Kneipen und Konzertsäle. „Wenn die Tochter in einer Kleinstadt in Amerika ihr Abitur macht, fahren die Eltern mit ihr nach New York, gehen ins Musical, ins Konzert und ins Theater. Auch bei uns ist ein größerer Zustrom von außen notwendig. Den kriegen wir nur, wenn wir mehr Hauptstädtisches bieten“, argumentiert Jagdfeld.

Während in der Ausschreibung (zum Entsetzen der Denkmalpflege) eine Aufhebung des Denkmalschutzes fürs Metropol – je nach künftiger Nutzung – nicht ausgeschlossen wird, betont Fundus, dass gerade die Erhaltung der historischen Bausubstanz für das Nutzungskonzept von großer Bedeutung sei: „Wirtschaftlicher Erfolg und Denkmalschutz schließen sich nicht aus.“

Schon einmal war das Metropol für eine Mark verkauft worden – der Musical-Konzern Stage-Holding verzichtete dankend und gab das Haus zurück, als ihm klar wurde, wie viel investiert werden müsste. Mindestens 40 Millionen Euro plus einem neuen Revue-Ensemble mit Musical-Stars schrecken Fundus offenbar nicht. Das Problem ist eher, dass der Metropol-Verkauf mit der kompletten Immobilie zwischen Friedrich- und Planckstraße Geld in die Landeskasse spülen soll. „Dabei muss sich nun zeigen, ob die Verantwortlichen kurzfristig oder nachhaltig denken“, sagt Jagdfeld, der die Sparpläne des Finanzsenators im Prinzip „vollkommen richtig“ findet. „Das neue Berlin hat inzwischen genügend bis zu viele moderne Büroflächen, Einkaufszentren und Wohnungen.“

Die Baukammer Berlin sagt: Eine gute Finanzpolitik ohne Denkmalschutz ist nicht machbar in einer Stadt, für die der Erhalt ihrer Anziehungskraft notwendiger ist denn je. Und die FDP erinnert an die Gefahr, dass zu viele Neubauten das Zentrum steril und unwohnlich machen. Ihr Landesvorsitzender Günter Rexrodt plädiert für die langfristige Lösung: „Der Fundus-Plan bringt Broadway-Atmosphäre, Nachtleben und viele Besucher in die deutsche Hauptstadt.“

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