Berlin : Bröckeln ohne Ende

15.07.2011 17:13 Uhrvon
Unverändert marode. Vom Müggelturm kann man zwar herabschauen, doch Bauwerk wie Umfeld sind weiter unsaniert. Wann die Arbeiten beginnen, ist ungewiss. Fotos: Doris S.-Klaas
Unverändert marode. Vom Müggelturm kann man zwar herabschauen, doch Bauwerk wie Umfeld sind weiter unsaniert. Wann die Arbeiten beginnen, ist ungewiss. Fotos: Doris S.-Klaas

Der Liegenschaftsfonds gibt Investor Marc Förste noch einmal eine Chance, den Köpenicker Müggelturm zu sanieren. Ein neuer Bauantrag ist eingereicht

Es ist das nächste Kapitel in der unendlichen und unendlich verworrenen Geschichte um den Müggelturm. Seit Jahren bröckelt das beliebte Ausflugsziel auf den Müggelbergen vor sich hin, dabei sollte es eigentlich längst renoviert werden. Das zumindest hatte Investor Marc Förste, Geschäftsführer der Krefelder Firma Kieu Projektentwicklung, angekündigt, als er den Müggelturm und das dazugehörige Nebengebäude vor mehr als dreieinhalb Jahren für 25 000 Euro erworben hat. Bereits im Frühjahr schien es, als stünde Förstes Plan, ein „Eventzentrum Müggelturm“ zu errichten, vor dem Aus. Der Investor konnte zu Jahresbeginn keinen vollständigen Bauantrag einreichen, eine zweite Frist an Ostern ließ er verstreichen.

Das Bezirksamt Treptow-Köpenick bat daraufhin den Liegenschaftsfonds Berlin, zu prüfen, ob von einer Klausel Gebrauch gemacht werden und der Kaufvertrag aufgelöst werden könne.

Jetzt sieht es jedoch so aus, als wäre Förstes Konzept noch nicht gescheitert. Am Donnerstag vergangener Woche hat ein Treffen zwischen Förste und dem Liegenschaftsfonds stattgefunden, wie eine Sprecherin bestätigte. Ergebnis: Von einer Rückabwicklung des Kaufvertrags wird abgesehen, Förste habe bereits einen neuen Bauantrag eingereicht. „Diese Chance bekommt der Investor noch“, hieß es beim Liegenschaftsfonds.

Dem Tagesspiegel sagte Förste nun, es sei nicht alles so schnell und problemlos gelaufen wie geplant. Allerdings habe er sich vertragskonform verhalten, sagte Förste, und die vorgegebenen Fristen ausgeschöpft. In der Tat habe es in den ersten drei Jahren nach Erwerb des Müggelturms keine Probleme gegeben, hieß es beim Liegenschaftsfonds. Erst im letzten halben Jahr, als der Investor verpflichtet gewesen sei, einen Bauantrag zu stellen, sei er in Verzug geraten. „Diesmal gehen wir aber davon aus, dass Herr Förste alle Unterlagen beisammen hat“, sagte eine Sprecherin.

Der Köpenicker Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) kann das nicht bestätigen. Förste habe zwar einen Bauantrag eingereicht, sagte Hölmer, doch erneut fehlten wesentliche Bestandteile wie ein amtlicher Vermessungsplan. Der Bezirk habe Förste jetzt eine Frist von vier Wochen eingeräumt, um die fehlenden Unterlagen nachzureichen. „Die Hoffnung, dass Herr Förste etwas bewegen kann, die habe ich schon lange verloren“, sagte Hölmer. Förste hält derweil an seinem Konzept fest. „Multifunktional“ solle sein „Eventzentrum Müggelturm“ werden, geeignet sowohl für Hochzeiten wie für Bankette, Theatervorführungen oder Lesungen. Ein Datum, wann die Bauarbeiten beginnen können, will der Investor jedoch nicht nennen. Nun soll das Gelände mit einem Zaun versehen werden, um Randalierer abzuhalten, kündigt Förste an.

Alles Luftschlösser? Das Tischtuch zwischen Investor und den Bezirkspolitikern scheint zerschnitten. Den von Baustadtrat Rainer Hölmer erhobenen Vorwurf, bei Entkernungsarbeiten am Nebengebäude sei der Denkmalschutz missachtet worden, weist Förste als „Humbug“ und geradezu typisch für das „höchst unseriöse Vorgehen des Bezirks“ zurück. Er sagt, er solle offenbar der „Sündenbock“ sein, „auf den die Versäumnisse der vergangenen 15 Jahre abgewälzt werden“. Die Nebengebäude mitsamt der früheren Sonnenterrasse stehen schon seit etwa 2002 leer und verfallen zusehends. Mehrere Investoren waren in den vergangenen Jahren interessiert, sprangen aber wieder ab.

„Wenn jemand unseriös arbeitet, dann ist das Herr Förste“, wehrt sich Baustadtrat Hölmer. Was das Projekt Müggelturm und Herrn Förste als Investor betreffe, sei „das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“. Björn Stephan

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