Berlin : Broemme weist Untreuevorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück

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Eine "Dämlichkeit" hatte Berlins Feuerwehrchef Albrecht Broemme seine einwöchige Probefahrt mit einer Mercedes-A-Klasse genannt. Dämlich, weil Broemme den Daimler just bei dem Händler abholte, bei dem die Feuerwehr auch offiziell ihre Autos kauft. Auf dem Vertrag war zudem "Feuerwehr" notiert, was insofern nicht stimmte, weil Broemme privat interessiert war.

Die Staatsanwaltschaft wollte an diese Dämlichkeit nicht recht glauben, und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Vorteilsnahme (Broemme) und Vorteilsgewährung (Mercedes) ein. Die Staatsanwälte prüften die Bücher der Feuerwehr - und fanden einen Kaufvertrag von August 1998, nach dem die Feuerwehr Mercedes-Benz acht Fahrgestelle für Rettungswagen abgekauft hatte. Ohne Ausschreibung. Der nahe liegende Verdacht: Mercedes behandelt den Feuerwehr-Chef äußerst zuvorkommend, der revanchiert sich mit einem konkurrenzlosen Kaufauftrag. Also erweiterten die Staatsanwälte ihre Ermittlungen. Broemme wird nun auch noch der Untreue verdächtigt, weil er möglicherweise zu viel Geld ausgegeben hat. Denn VW und Ford bieten billiger an, und eine Ausschreibung drückt den Preis. Die Staatsanwälte weiteten ihre Ermittlungen zudem gegen den Einkaufsleiter Broemmes aus, der für technische Aspekte zuständig ist.

Broemme selbst sieht in den Ermittlungen die "konsequente Fortführung" des A-Klassen-Verfahrens, weist allerdings jegliche Schuld zurück. 1997 habe die Feuerwehr mehrere "Sprinter"-Modelle von Mercedes als Rettungswagen gekauft. Der "Sprinter" habe aber erhebliche Konstruktionsmängel gehabt und zu massiven Beschwerden geführt. Die Feuerwehr entschied daraufhin, auf das so genannte Kastenmodell umzusteigen: Ein Laster von einer Firma mit einem Kastenaufbau von einem zweiten Unternehmen. Ein Fahrzeug von Mercedes mit einem Aufbau einer anderen Firma diente der Probe. Damit waren die Feuerwehrleute zufrieden und orderten acht solcher Fahrzeuge im Wert von rund 430 000 Mark.

Albrecht Broemme sagt, die Entscheidung sei aus rein fachlichen Gründen gefallen; Mercedes habe das beste Modell, ein früherer Test mit VW sei schlecht verlaufen. Weil die Zeit drängte und sein Finanzchef im Krankenhaus lag, habe er selber unterzeichnet, was sonst unüblich ist. Broemme glaubt deshalb an eine Einstellung. Die "Ungeschicklichkeit" und "Dämlichkeit" bei der A-Klasse werde er jedenfalls nicht wiederholen.

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