Brösel-Euros : Spur der Scheine

Die Polizei hat eine Berliner Galerie wegen des mysteriösen Brösel-Geldes durchsucht. Die Künstler wehren sich: Wir sind keine Kriminellen.

Jörn Hasselmann

Im Fall der mysteriösen Brösel-Geldscheine sind jetzt Künstler ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft geraten. Am Mittwoch durchsuchten neun Fahnder des Landeskriminalamtes zunächst eine Galerie in Mitte, anschließend die Wohnungen von drei in Berlin lebenden Künstlern. Beschlagnahmt wurde eine Flasche mit hochprozentiger Schwefelsäure. Wie ein Justizsprecher sagte, gelten die drei Künstler derzeit als Zeugen, nicht als Beschuldigte. Wie berichtet, sind seit Sommer vorigen Jahres mehrere tausend Geldscheine bundesweit aufgetaucht, die bei Berührung zerfallen. Die Hintergründe sind bislang völlig unklar. Vor allem ist offen, ob die Scheine bewusst mit einer Chemikalie behandelt wurden. Ein Erpresser hat sich nicht gemeldet, ausgeschlossen wird auch ein Defekt in Geldautomaten.

Am Mittwoch nun wurde die Galerie „Weißer Elefant“ in der Auguststraße durchsucht. Dort läuft die Ausstellung „Wir machen mehr aus Ihrem Geld“. Danach standen die Fahnder vor den Wohnungstüren der Künstler Uwe Jonas, Peter Kees und Hans Winkler. „Die sind schon sehr massiv aufgetreten“, berichtete Winkler gestern. Merkwürdigerweise hätten die Beamten keinen der ausgestellten Geldscheine mitgenommen, „obwohl wir ihnen das angeboten haben“. „Wir sind Künstler, keine Kriminellen“, sagte Winkler.

Die Fahnder waren alarmiert, weil die meisten Geldscheine in Berlin und Brandenburg aufgetaucht waren – und weil die Künstler sich nach eigenen Angaben seit einem Jahr mit der Säure-Behandlung von Banknoten beschäftigen. Vor einem Jahr wurden auch die ersten „Brösel-Euros“ entdeckt. Künstler Winkler betonte, dass man vor einem Jahr begonnen habe, sich Gedanken zu machen, man habe sich quasi „inspirieren“ lassen durch die damalige Berichterstattung. So hängen in der Galerie auch Artikel aus dem Tagesspiegel und der Bild-Zeitung.

Die Razzia zeige die Hilflosigkeit der Fahnder, sagte der Künstler. „Die hätten ja auch anrufen können, und dann hätten wir denen Tipps gegeben.“

Geöffnet ist die Ausstellung in der Auguststraße 21 noch bis zum 15. Juli, dienstags bis freitags 13 bis 18 Uhr und sonnabends von 13 bis 17 Uhr.

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