Berlin : Brötchen ohne Salat-Deko

Gastronomie stellt sich auf Sorgen der Kunden ein

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Geschnippelt wird nur noch im Labor. Viele Kunden sind besorgt und verzichten in diesen Tagen lieber auf den Verzehr von Gurken. Foto: dpa/Bernd Wüstneck Foto: dpa
Geschnippelt wird nur noch im Labor. Viele Kunden sind besorgt und verzichten in diesen Tagen lieber auf den Verzehr von Gurken....Foto: dpa

Gar nicht so einfach, in Berliner Gastronomiebetrieben oder Bäckereien noch ein Gurkenbrötchen zu finden. „Wir bieten das nicht mehr an, auch keine Salate“, heißt es bei einer Bäckerei am Potsdamer Platz. Im Café Stresemann am Askanischen Platz verzichtet man ebenfalls auf das grüne Gemüse. „Wir lassen bei den Gerichten die Deko-Salate weg, also das Salatblatt und die Gurke", sagt der Küchenchef. „Die Leute bestellen weniger, auch Obst lassen sie liegen.“ Und eine Kellnerin verweist auf ihre eigenen Essgewohnheiten angesichts von EHEC. „Ich würde jetzt keine Gurke essen“, sagt sie.

Es ist eine diffuse Stimmungslage, unbeeindruckt sind viele Berliner doch nicht von den vielen Warnungen und Meldungen über den Darmerreger. Das bemerkt auch Hati Kaman. Sie verkauft Döner und Pide in der Bernburger Straße. Gurke hat sie freiwillig aus dem Sortiment genommen. „Viele Kunden sagen, dass sie eigentlich nicht so recht an eine Gefahr glauben, aber Sorgen machen sie sich doch ein wenig und gehen lieber kein Risiko ein.“ Zwei Kunden haben sich in der Wahl ihres Mittagessens dagegen nicht von den Meldungen über EHEC beeinflussen lassen. „Das hat keine Rolle gespielt, mir ist auch egal, woher die Tomaten kommen“, sagt einer von ihnen, einen frischen Nudelsalat mit rohen Tomaten und Rucola vor sich.

„Wir haben ohnehin keine Gurken in unseren Gerichten“, sagt Stefania Sinaguglia vom Ristorante Essenza am Potsdamer Platz. „Unser Gemüse kommt hauptsächlich aus Italien.“ Ein bisschen sei die Nachfrage zurückgegangen. Sie schaut noch mal die Speisekarte für diese Woche durch, die meisten Gerichte werden mit gekochtem Gemüse zubereitet. Privat hat Sinaguglia ihren Einkaufszettel aber umgestellt. „Ich habe zwei Kinder, da mache ich mir natürlich Sorgen. Ich habe Radieschen statt Gurke gekauft. Und ich wasche das Gemüse mit Natronpulver, den Tipp hat mir meine Mutter gegeben.“ Unterschiedliche Erfahrungen haben Beschäftigte in einem Selbstbedienungsrestaurant am Potsdamer Platz gemacht: „Die eine Hälfte der Kundschaft ist vertrauensvoll, die andere Hälfte reagiert panisch und möchte gar nichts Frisches mehr essen.“ Sylvia Vogt

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