Berlin : Brotpreise: Innung kündigt Verteuerung an

kf

Das letzte Gewitter mit Hagel, Blitz und Donner hat sich kaum verzogen, da droht der Stadt neues wetterbedingtes Ungemach: Ab Mitte September sollen die Brötchen und das Brot teurer werden, kündigt der Berliner Bäcker-Innungs-Chef an. "Auslöser sind das schlechte Wetter und die mageren Ernten in diesem Jahr", sagt Heinrich Jünemann. Die erhöhten Mehlpreise müssten die Bäcker jetzt notgedrungen an ihre Kunden weitergeben, und das hieße: Statt derzeit 35 Pfennige kostet dann ein Brötchen im Schnitt 40 Pfennige, rund 4,50 Mark statt 4,20 Mark ein Brot.

Es waren bereits der außergewöhnlich warme Mai und Juni, die dem Getreide in unseren Breiten zu schaffen machten. Als dann Ende Juli, zum Beginn der Erntezeit, sich Kälte und Dauerregen einstellten, wurde es für manchen Bauern eng. "Teilweise hatten wir Ertragsausfälle bis zu 70 Prozent", heißt es im Brandenburgischen Agrarministerium. Allerdings seien die Ernten regional sehr unterschiedlich ausgefallen. Im Landesdurchschnitt habe nach ersten Schätzungen das Ertragsminus 19 Prozent pro Hektar betragen.

Zu "etwas mehr Zurückhaltung" hat am Mittwoch auch Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) die Bäcker aufgerufen. Eine Erhöhung der Brötchenpreise sei mit dem Mehlpreis kaum zu begründen, sagte Funke. "Bei einem Getreidewert von einem Pfennig je Brötchen macht die zu erwartende Preissteigerung von Getreide gerade 0,1 Pfennig aus." Insgesamt haben die deutschen Landwirte nach seinen Berechnungen trotz der Wetterkapriolen eine zufrieden stellende Ernte eingebracht. Nach vorläufigen Ergebnissen liege die Getreideernte mit 44,9 Millionen Tonnen leicht über dem Ergebnis des Jahres 1999. Zu Ertragseinbußen habe die Trockenheit vor allem in den neuen Ländern geführt.

Tatsächlich erscheint es derzeit unwahrscheinlich, dass sich die Vorhersage des Berliner Innungschefs flächendeckend bewahrheiten wird. Die größeren Ketten wie "Kamps" und "Wiedemann" jedenfalls winkten am Mittwoch ab. "Wir werden eine Preissteigerung beim Mehl nicht an die Kunden weiter geben", sagt Klaus Wiedemann, der in Berlin 21 Filialen betreibt.

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