Berlin : Brüchig und rutschig

Trotz Warnung aufs Eis und dann einbrechen – das wird teuer: Die Rettung muss jeder selbst bezahlen

Tanja Buntrock/Rainer W. During

Neben der alten Kanone an der Greenwichpromenade parkt ein Lautsprecherwagen der Polizei. „Wir warnen vor dem Betreten der nicht tragfähigen Eisfläche“, schallt es alle paar Minuten über den Tegeler See. Das Eis sieht fest aus, das ist aber trügerisch. Vor der Insel Hasselwerder klafft ein riesiges Loch, von dem sich ein breiter Riss zum Ufer zieht. Nachdem hier am Sonntag mehrere Menschen eingebrochen sind, hat die Wasserschutzpolizei den Gefahrenbereich mit Flatterleinen abgesperrt. Gefährlich ist es deshalb auf dem Eis zu laufen, weil wärmeres Klärwasser über Nordgraben und Tegeler Fliess eingeleitet wird und es dadurch immer wieder dünnere Stellen gibt.

Auch auf den anderen Seen Berlins war die Wasserschutzpolizei gestern wieder verstärkt im Einsatz. Mit fünf so genannten Eisstreifen waren die Beamten unterwegs, um Leute vom Eis zu holen. „Die Streifenwagen sind mit speziellen Rettungsgerät und Schlauchboot ausgestattet“, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Jeweils ein Beamter des Drei-Mann-Teams hat einen Rettungsanzug dabei, um Menschen zu bergen, die eingebrochen sind. Die Wasserschutzpolizei war gestern vor allem am Tegeler See, dem Großen Wannsee und dem Müggelsee im Einsatz und warnte mit Lautsprecherdurchsagen, auch per Hubschrauber, vor dem Betreten der Eisflächen.

„Kinder holen wir vom Eis, Erwachsene können wir nur warnen. Doch Platzverweise dürfen wir nicht aussprechen. Wer sich dennoch aufs Eis begibt, handelt auf eigene Gefahr“, sagte ein Polizeisprecher. Das kann teuer werden: Wie berichtet, war am Sonntag auch ein Mann eingebrochen, der mit einem Vierrad-Motorrad auf dem Tegeler See gefahren war. „Der Mann konnte sich zwar selbst retten, doch sein Fahrzeug musste geborgen werden. Das wird ihm in Rechnung gestellt“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Rund 2000 Euro wird dem leichtsinnigen Fahrer der Bergungseinsatz kosten. „Wer sich entgegen unserer Warnung aufs Eis begibt und gerettet werden muss, dem wird der Einsatz in Rechnung gestellt“, hieß es auch bei der Wasserschutzpolizei.

Ein besonderes Problem bereiteten den Beamten gestern Schaulustige: Vom Eis aus beobachteten sie, wie ein Eisbrecher auf der Unterhavel zwischen Spandau und Potsdam unterwegs war. „Die Leute standen fast an der Fahrrinne, obwohl es knackte und krachte“, erzählte ein Sprecher.

Doch auch ohne nahen Eisbrecher wurde die Gefahr häufig nicht gesehen. Günter Mudrick sah erst nicht ein, warum er an der Greenwichpromenade nicht aufs Eis soll. „Gestern bin ich noch bis Spandau gelaufen“, erzählte der 77-jährige Reinickendorfer. Seit der Kindheit im Spreewald liebe er Spaziergänge auf zugefrorenen Gewässern und sei auch stets vorsichtig. Als die Beamten an ihn als Vorbild appellierten, machte er doch kehrt. „Dann gehe ich zum Flughafensee.“

Bisher hätten alle Eisgänger, wenn auch meistens murrend, Vernunft angenommen, sagte Polizeiobermeister Biegall von dem zuständigen Abschnitt 14. Würde wieder jemand in das Eis einbrechen, könnte er kaum helfen. Spezielles Gerät zur Bergung hat er nicht dabei, und auch an dem Ufer ist davon keine Spur.

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