Berlin : Brücke nach Russland

Behindertenheim bei Petersburg braucht finanzielle Hilfe

Annette Kögel

Wenn man das Behindertenheim in Russland sieht, wird einem schnell klar, auf welch hohem Niveau in Deutschland gejammert wird. „Die Menschen in Peterhof leben unter Umständen, die sich die meisten Berliner nicht vorstellen können“, sagt Erika Haase vom Verein „Perspektiven e. V.“. Die 67-jährige Wilmersdorferin koordiniert die Arbeit des Hilfsvereins in Berlin – und weiß, dass noch so viel gebraucht wird. Deswegen hat sich der Tagesspiegel-Spendenverein für das „Psycho-Neurologische Internat (PNI) Nr. 3“ 20 Kilometer vor der Stadtgrenze von St. Petersburg als Auslandsprojekt der Weihnachtsspendenaktion entschieden.

Man kann sich noch an die Fernsehbilder aus Heimen in Russland erinnern, die vor Jahren um die Welt gingen. Seitdem ist schon einiges geschehen, doch das Leben ist immer noch alles andere als menschenwürdig. Auch in Peterhof. „Mehrere Erwachsene teilen sich ein Zimmer“, sagt Erika Haase. Für jeden ein Bett, ein Schrank, mehr nicht. „Die Insassen sind schon froh, wenn sie eine bunte Postkarte in ihrer Schublade als Schatz aufbewahren können.“ Über 1000 Alte, psychisch Kranke, körperlich Behinderte und ehemals Obdachlose leben auf engstem Raum zusammen. Und die langen, dunklen Korridore im 60er-Jahre-Bau bleiben im Winter kalt.

„Für mich war klar, ich engagiere mich, als ich die Zustände 1997 zum ersten Mal mit eigenen Augen gesehen habe“, sagt Frau Haase. Damals begleitete die pensonierte Lehrerin eine Gruppe von Haupt- und Realschülern der Haushofer-Schule, die dort ehrenamtlich bei Sanierungsarbeiten anpackten. Heute arbeitet der Verein mit Friedensdienstleistenden zusammen, also jungen Frauen im Freiwilligen sozialen Jahr, und Zivildienstleistenden, die ihre Wehrpflicht im Ausland erfüllen. Die jungen Leute bieten Beschäftigungstherapien an: Beispielsweise lassen sie die Bewohner ihre Empfindungen malen und mit Fingerfarben ausdrücken. Für solche Farben und Bastelmaterial wird dringend Geld gebraucht, aber auch für Holz und Werkzeuge, mit denen Heimbewohner sich in einer Werkstatt Regale selbst bauen. „Außerdem möchten wir mit den Spenden der Tagesspiegel-Leser gern Ausflüge ermöglichen, damit die Internatsbewohner auch einmal rauskommen“, sagt Erika Haase: die Menschen würden gern einmal im Leben ein Museum von innen sehen, oder eine Kirche. Es sind vergleichsweise bescheidene Wünsche, deren Realisierung aber Großes bewegen würde: Menschenwürde, Stolz, Lebensmut.

Wenn Sie die Tagesspiegel-Spendenaktion unterstützen möchten: Der Empfänger ist der Tagesspiegel, Stichwort „Menschen helfen!“, Kontonummer 250030942 bei der Berliner Sparkasse mit der Bankleitzahl 10050000. Bitte geben Sie auf dem Beleg Ihren Namen und die Anschrift komplett an, damit wir den Spendenbeleg zuschicken können. Auch Online-Banking ist möglich.

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