Berlin : Brüder der ermordeten Hatun Sürücü vor Gericht

Prozess beginnt am 14. September. Junge Frau wurde im Februar in Tempelhof erschossen.

Suzan Gülfirat

In wenigen Tagen beginnt der Prozess gegen drei Brüder der im Februar in Tempelhof ermordeten Deutsch-Türkin Hatun Sürücü. Die drei Männer, die kurz nach der Tat festgenommen wurden, müssen sich vom 14. September an wegen des Verdachtes des gemeinschaftlichen Mordes vor dem Landgericht Berlin verantworten. Das Gericht hat bis Ende Oktober mehrere Termine festgelegt. Auch für den November sind noch Verhandlungen vorgesehen, wie die Justizpressestelle am Dienstag bestätigte.

Wie berichtet, hatte die Staatsanwaltschaft Anfang Juli Anklage gegen die Männer im Alter zwischen 19 und 25 Jahren erhoben. Sie sollen den Lebensstil der allein erziehenden Mutter, die geschieden war und mit ihrem damals fünfjährigen Sohn alleine lebte, als „Kränkung der Familienehre“ empfunden haben. Alle drei Männer bestreiten nach wie vor die Tat. Der Mord an Hatun Sürücü hatte bundesweit Aufsehen erregt – nicht nur aufgrund der Brutalität der Tat, sondern auch, weil er von Anfang an als ein so genannter Ehrenmord angesehen wurde, der in islamischen Ländern keine Seltenheit ist.

Die junge Türkin war am 7. Februar in Tempelhof auf offener Straße in der Nähe ihrer Wohnung regelrecht hingerichtet worden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der jüngste der Brüder sie aus unmittelbarer Nähe mit gezielten Schüssen in den Kopf und in den Oberkörper getötet hat. In der Wohnung des beschuldigten ältesten Bruders sollen die Ermittler bei einer Durchsuchung Schriften des Islamistenführers Metin Kaplan, der mittlerweile in die Türkei abgeschoben wurde, gefunden haben.

Bereits heute beginnt der Prozess gegen einen 26-jährigen Türken, der seine von ihm getrennt lebende Ehefrau auf der Straße vor den Augen der gemeinsamen drei Jahre alten Tochter erstach. Die Frau hatte sich von ihrem gewalttätigen Ehemann getrennt und mit ihrem neuen Lebensgefährten ein Kind. Das war laut Staatsanwaltschaft das Motiv für die Bluttat. Der Mann hatte Ende November 2004 seine Frau auf der Kreuzung Auguste-Viktoria-Allee/Ecke Eichborndamm in Reinickendorf mit zahlreichen Messerstichen getötet. Jetzt muss er sich wegen Totschlags vor dem Landgericht in Moabit verantworten.

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