Berlin : Brüssel, Postfach

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies fordert die Lastwagenfahrer zum Ungehorsam auf

Oh, wir Deutschen haben die besten Autoingenieure der Welt. Manchmal stellen sie sich zwar ein bisschen doof an, wenn sie beispielsweise Dieselrußfilter für Personenwagen erfinden sollen, aber dafür konstruieren sie praktisch im Schlaf tadellose Warmluftgebläse fürs Cabriofahren im Winter, hektisch piepende Abstandswarner, mit denen auch der letzte Dödel ins Parkhaus findet – und bald wird uns der Auto-Entfernungs-Sensor sogar daran hindern, dem Vordermann bei 180 an der Stoßstange zu kleben.

Ein technisches Wunder nach dem anderen. Nur bei den Lastwagen bleibt es aus, denn immer noch werden Radler beim Abbiegen überrollt, weil es offenbar keine Technik gibt, die dem Fahrer Einblick in den toten Winkel am Straßenrand ermöglicht. Bzw.: Es gibt sie anscheinend, sie ist nicht einmal teuer, aber nur in Holland zugelassen, jenem Land, in dem die Radfahrer traditionell einen gewissen Mehrheitenschutz genießen. Die holländische Lösung ist das Gegenteil von High-Tech, was sie bei uns wohl verdächtig macht: nur ein paar richtig aufeinander abgestimmte und passend geknickte Spiegel.

In Holland funktioniert das. In Deutschland heißt es: Oh nein, die Dinger sind nicht zugelassen, die entsprechende EU-Regelung kommt erst 2006, und bis dahin machen wir erst mal gar nix. Könnte ja jeder kommen! Und wer entsagungsvoll für jeden einzelnen Holland-Spiegel zum TÜV fährt, zahlt für das Gutachten ein Vielfaches des Anschaffungspreises.

Dies ist eine Aufforderung zum zivilen Ungehorsam. Fahrer: Schraubt euch die holländischen Spiegel skrupellos an. Einfach so. Und wenn dann einer nach dem Gutachten fragt, dann sagt ihm, er soll sich einfach an die EU wenden. Brüssel, Postfach.

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