Berlin : Bruno Preisendörfer über High Tech und Gaumenschmaus

Es ist erst ein paar Jahre her, dass dem Elektrobuch auf der Frankfurter Messe Standrecht eingeräumt wurde. Man konnte damals an Fäden baumelnde Silberscheiben bewundern und den Respekt vor den bunten Kartons der Edutainment-Programme üben. Außerdem gab es Gelegenheit, einen Sprachcomputer persönlich kennenzulernen, ein Supergedächtnis, das so tat, als könnte es übersetzen. Man flüsterte Mister 0/1 die Worte gewissermaßen ins Ohr. Dann sagte eine Raum-Schiff-Enterprise-Stimme die englische oder französische oder spanische Bedeutung. Und lernen konnte er auch. Hat sich richtig weiterentwickelt, die Maschine, wenn man sich mit ihr unterhielt. Aber immer nur in Hochdeutsch, ganz gepflegt. Das merkte ich, als ich "Äppelwoi" zu dem armen Kerl sagte. Kannte er nicht, war bestimmt noch nie in Sachsenhausen. Sonst hätte er wenigstens einen Versuch machen können, zum Beispiel mit der Übersetzung ins Französische: Woi de pomme oder so. Seitdem ging natürlich "die Entwicklung sprunghaft weiter". Inzwischen haben sogar die Punkte mit dem Sprechen angefangen. Das heißt dann Datasound und geht so: "Der Strip ist ein 18 x 55 mm kleiner zweidimensionaler Punktmustercode, der im Offset Verfahren mit der Farbe Schwarz auf handelsüblichem Papier mitgedruckt wird. Die Speicherfähigkeit dieses Strips beträgt ca. 12 Sekunden Musik in HiFi-Qualität, 20-30 Sekunden Sprache oder auch z.B. 24 Seiten DIN A4-Text." Zum Entziffern braucht man ein Lesegerät. Von dem erfahren wir dann, was die Punkte uns in 20-30 Sekunden zu sagen haben. Datasound soll im Mai nächsten Jahres auf den Markt kommen. Vielleicht druckt der Tagesspiegel seine Kolumnen dann als Punktmustercode, gesprochen von den Autoren selbst. Dann könnten Sie richtig hören wie das klingt: Äppelwoi. Oder: Handkees mit Mussig, wenn Sie verstehen was ich meine. Dafür brauchen Sie, und seien Sie froh, nicht zur Buchmesse zu fahren. Versuchen Sie es zum Beispiel mal in der Pfälzer Weinstube am Adenauer Platz.

"Eleganter Unsinn" heißt ein Buch von Alan Sokal und Jean Bricmont, das am Montag um 19 Uhr im Otto-Braun-Saal der Staatsbibliothek (Haus 2) vorgestellt wird. Sokal hatte damit Aufsehen erregt, dass er einem erstrangigen amerikanischen Wissenschaftsmagazin einen hochtrabenden Quatschartikel im postmodernen Stil untergejubelt hatte, um zu beweisen, dass Blödsinn nur bedeutend klingen muss, um als Wissenschaft durchzugehen. Hier aus einem schon älteren Essay einen typisch sokalistischen Ratschlag: "Man sollte wissen, worüber man spricht". Das ist manchmal gar nicht so einfach. Und mitunter kann es einem passieren, dass man gar nicht weiß, dass man nicht weiß. So ging es mir in der letzten Woche, als ich, sorry, geschrieben habe, Ulrich Peltzer würde im Literarischen Colloquium lesen. Hat er gar nicht. Nicht das letzte Mal. Erst diesmal. Gelesen hat er freilich schon. Ich meine das letzte Mal, nicht diesmal. Aber im Literaturhaus. Und diesmal im Literarischen Colloquium. Also, ganz konzentriert bitte: Letztes Mal hat er diesmal im Literaturhaus gelesen und diesmal liest er - wahrscheinlich nicht das letzte Mal im Literarischen Colloquium. Immer noch falsch? Richtig. Ich weiß ja gar nicht, ob er diesmal nicht doch das letzte Mal - Also: Ulrich Peltzer, Dienstag, 20 Uhr. Zusammen mit Ulf Eriksson aus Stockholm.

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