Berlin : „Brut de Sanssouci“

Die Schlösserstiftung möchte zwei Weinberge im Park wiederherstellen. Und Rotkäppchen könnte aus den Trauben Sekt keltern

Amélie Fidric

Potsdam. In den neuen Ländern ist er der beliebteste Sekt – und bald könnte „Rotkäppchen“ auch Schaumwein aus einem wahren Weltkulturerbe auf den Markt bringen. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten möchte die historischen Weinanlagen am Winzerberg und am Klausberg in Park Sanssouci wiederbeleben und erwägt dabei eine Zusammenarbeit mit der Kellerei Rotkäppchen-Mumm. „Wir haben Interesse daran, die Weinberge in Ordnung zu bringen“, sagt die Pressesprecherin der Schlösserstiftung, Eleonore Degenhardt. Ein erstes Vorgespräch über eine Zusammenarbeit beim Rebenanbau habe bereits stattgefunden. Die Kellerei könnte als Sponsor die Kosten für die Sanierung der Weinberganlagen übernehmen. An Winzer- und Klausberg müsste das Mauerwerk der Wein-Terrassen komplett erneuert werden. Dann könnten dort wieder – wie zum ersten Mal 1760 – Reben angepflanzt werden.

Damals wurden unter Friedrich dem Großen auf den beiden Bergen Weinstöcke mit Hunderten von Rebsorten angelegt, von denen die meisten heute schon ausgestorben sind. Allerdings wurden aus den Beeren weder Wein noch Sekt gekeltert; die Trauben bereicherten die königliche Tafel, berichtet Gerd Schurig, Kustos für Gartendenkmalpflege bei der Stiftung. Die Weinberge seien bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts bewirtschaftet worden.

Wenn die Anlagen wieder instand gesetzt würden, dann sei es „sinnvoll, sie auch zu betreiben“, so die Sprecherin der Stiftung. Denkbar wäre, dass Rotkäppchen für die Unterstützung bei der originalgetreuen Wiederherstellung der Anlagen das Recht erhält, den Wein zu nutzen und zum Beispiel zu einem „Sanssouci-Sekt“ zu keltern. Ein großer Ertrag wäre dabei nicht zu erwarten; Prestige hätte eine solche „Sonderedition“ dennoch. Der Stiftung selbst fehle für die Restaurierung das nötige Geld, sagt Schürig. Ihre Bauabteilung ermittelt derzeit die Höhe der anfallenden Kosten.

Die überwucherten Hänge des 0,5 Hektar großen Winzerberg wurden zwar im vergangenen Winter vom Wildwuchs befreit. Betreten kann man ihn dennoch nicht, da die Mauern der Terrassen zu verfallen drohen. Auf dem Klausberg mit seinen 2,1 Hektar dagegen ist immerhin schon die oberste Terrasse wieder hergestellt: Hier betreiben Schüler der Berliner Carl-Legien-Oberschule einen kleinen Weinanbau.

Die Weinterrassen direkt unterhalb von Schloss Sanssouci wurden bereits Anfang der achtziger Jahre saniert. Die Reben dienen jedoch allein der Zierde. Sie sind weder zum Essen noch zum Vergären geeignet.

Sollte in Potsdam tatsächlich Wein angebaut werden, müsste gegebenenfalls das deutsche Weingesetz geändert werden: Ein Anbaugebiet „Sanssouci“ ist darin bisher nicht vorgesehen.

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