Berlin : BSE: Fleischmarkt bleibt in der Krise

Henning Steier

Die Oma rät dem Enkelein: "Kauf mir ja beim Fleischer ein." Der Spruch, mit dem die Berliner Fleischer-Innung in der U-Bahn wirbt, hat zurzeit einen faden Beigeschmack. Für den Verbraucher geht es mehr denn je um die Wurst, vor allem um deren Herkunft. "Der Markt für Rindfleisch ist um 80 Prozent eingebrochen", sagte Alexander Kraus, Geschäftsführer der Fleischer-Innung.

Eine stichprobenartige Umfrage habe ergeben, dass die Kunden der kleinen Fleischer um die Ecke "wieder bereit sind, die ein oder andere Mark mehr auszugeben, um Qualität zu erhalten". "In unseren Handwerksbetrieben wird kein Separatorenfleisch verarbeitet", betont Kraus, "wir haben gar keine Separatoren." Mit einer Selbstverpflichtungserklärung, kein Rückenmark und Hirn vom Rind mehr zu verarbeiten, haben die Mitgliedsbetriebe der Berliner Innung im Dezember 2000 versucht, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Die Berliner Fleischer konnten den Verlust beim Rindfleisch in etwa durch Schweine- und Geflügelfleisch wieder ausgleichen. "Viele Kunden, die ihr Steak jahrelang im Supermarkt kauften, kehren jetzt wieder zurück", sagt der Innungs-Chef.

Katastrophenstimmung herrscht hingegen im Fleischgroßmarkt. So bestellten die Bundeswehr, die Justizvollzugsanstalt Tegel und zahlreiche Altenheime von einem Tag auf den anderen kein Rindfleisch mehr. Der Rindfleischumsatz brach um knapp 80 Prozent ein. Im Unterschied zu den Betrieben der Fleischer-Innung wurde die Verluste nicht durch Zuwächse bei Schweine- und Geflügelfleisch ausgeglichen.

"Biofleisch kommt bei uns nicht mal auf ein Prozent vom Gesamtumsatz", sagt Großmarkt-Geschäftsführer Wolfgang Welke. Die "jüngsten Antibiotika-Nachrichten von der Schweinefront" seien Gift für die 70 Mitgliedsunternehmen in der Genossenschaft.

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