Berlin : BSE: Gefahr in Kosmetika und Medikamenten?

Mathias Wöbking

Squalane, Cyclohexasiloxane, Morus Bombycis, Imidazolidinyl. Alles klar? Diese Stoffe und noch viele mehr sind auf der Verpackung einer Tagescreme aufgelistet. Am Dienstag sagte Gesundheitssenatorin Gabriele Schöttler, auch Kosmetika könnten Grundstoffe tierischer Herkunft enthalten, allerdings seit zwei Jahren keine "Risikomaterialien" mehr, so dass dort keine Gefahr bestehe, sich mit BSE-Erregern zu infizieren. Doch die Hinweise auf den Verpackungen versteht der normale Verbraucher sowieso nicht, oder?

"Nein, da guck ich gar nicht drauf", sagte gestern Erika Dau, die in der Drogerie "kd" in der Potsdamer Straße eine Creme kaufte. Sie mache sich jetzt erst mal Gedanken, ob sie noch das Rindfleisch essen soll, das in ihrem Gefrierschrank liege. "Sich über Cremes den Kopf zu zerbrechen, dafür ist es noch zu früh", meinte die Hausfrau. Auch die Pädagogin Ute Seegelken hat jetzt andere Sorgen, als nach den Bestandteilen von Kosmetika zu schauen: "Ich habe weder das Geld, Ökofleisch zu kaufen, noch die Zeit, auf Tiefkühlkost zu verzichten", klagte sie - als berufstätige Frau mit drei Kindern. "Ich überlege jetzt, was ich meinen Kindern auf den Tisch stellen soll. Ob BSE auch noch in Cremes steckt, ist mir da schnurz."

Selbst die Apothekerin Birgit Paulus aus der Bülow-Apotheke in Schöneberg kann nicht an jeder Verpackung eines Medikaments oder einer Creme ablesen, ob Stoffe vom Rind enthalten sind. "Diese Information müssen die Produzenten nicht draufschreiben. Wenn es aber einen Kunden interessiert, rufen wir beim jeweiligen Hersteller an, der dann eine genaue Auskunft gibt." Das könne vor allem Produkte betreffen, die Gelatine enthielten, zum Beispiel Medikamente, deren Wirkstoff in Kapseln verabreicht würden, erklärt die Apothekerin. Gelatine ist ein Verdickungsstoff, der aus Knochen, Schwarten und Spalthäuten hergestellt wird. In Deutschland besteht Gelatine zu 90 Prozent aus Schwein und 10 Prozent aus Rinderknochen.

Nach Auskunft von Gesundheitssenatorin Schöttler werde durch große Hitze sowie Säure- und Alkalibehandlung bei der Herstellung von Gelatine das BSE-Risiko minimiert. Pharma-Gelatine müsse zudem den strengen Vorschriften des Deutschen Arzneibuches genügen, so dass es "keinerlei Hinweise auf eine Gefährdung" gebe. Die Berliner scheinen den Versicherungen zu glauben. "Ob ein Produkt mit Rinderstoffen fabriziert wurde, fragte mich bislang noch kein Kunde", sagt die Apothekerin Birgit Paulus. "Wir haben bisher nur dann bei Herstellern von Arzneimitteln und Cremes angerufen, wenn muslimische Kunden wissen wollen, ob Schweinegelatine enthalten ist."

Nicole Jaroszewski, die sich gestern in der Mittagspause Erkältungsmittel kaufte, ist froh, dass sie keine Arznei mit Gelatine nehmen muss. Sie würde ein Medikament aber nicht im Regal liegen lassen, wenn sie es vom Arzt verordnet bekäme. "Ich will mich ja nicht verrückt machen", sagt sie. Dass sie statt der eigenen Panik einmal Rindfleisch wahnsinnig machen wird, hofft sie nicht. "Nach den vielen Jahren, in denen ich Rind gegessen habe, kann ich das aber wohl leider nicht ausschließen."

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