Berlin : BSE: Hochsicherheitsstufe im Labor

Annette Kögel

Die blauen Schuh-Überzieher aus Plastik kommen nach dem Laborbesuch in den Abfalleimer - Sondermüll. Das gleiche gilt für den weißen Einwegkittel. Andere Arbeitskleidung wird dekontaminiert. Damit keine Erreger nach außen dringen, herrscht im Raum Unterdruck, und die Abluft gelangt nur durch einen Hochsicherheitsfilter nach außen. Die Hände werden zum Schluss doppelt behandelt. Erst mit Spezialseife, dann mit Sterilium - die Haut unter den Ringen nicht vergessen. In dem Labor, das ab morgen die Berliner BSE-Tests macht, herrscht Sicherheitsstufe drei, eine unter der höchsten, bei Ebola. Sicher ist sicher. Ab Mittwoch darf hier außer den Mitarbeitern keiner mehr durch die Sicherheitsschleuse.

Ein mulmiges Gefühl, nicht nur für die Besucher des Instituts für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen (ILAT) an der Invalidenstraße 60 nahe Heidestraße in Tiergarten. "Ich vergleiche das ein bisschen mit Aids, dagegen gibt es auch noch keinen Impfstoff", sagt Jacqueline Falk, die die Rinderseuchen-Checks im Auftrag des Landes Berlin und für Brandenburg ausführt.

Am Mittwoch werden die ILAT-Mitarbeiter die ersten Stammhirn-Proben von wahrscheinlich vier Rindern entnehmen, die Berlins Schlächter Jörg Staske auf seinem Hof in Treptow getötet hat. "Außerdem habe ich mit den Kollegen in Brandenburg abgesprochen, dass wir mit dem Rest unserer Testkits, das sind etwa 80, anschließend Proben aus dem Nachbarbundesland untersuchen", sagt Jochen Hentschke, Abteilungsleiter und Fachtierarzt für Mikrobiologie.

Wie der serobiologische Prionentest genau funktioniert, hat die Medizinisch-Technische Assistentin bei der Herstellerfirma des gleichnamigen "Biorad"-Tests in Zürich gelernt. "Biorad" sei zwar etwas teurer als der "Prionics"-Test, aber dafür könne man mit einem Durchgang gleich 86 Proben untersuchen. Knapp 40 000 Mark kosten die kompletten BSE-Testgeräte, das ILAT hat sie über den Zwischenhandel etwas günstiger erworben. 150 Mark verlangt das Labor jetzt pro Test vom Land - die Prozedur dauert bis zu acht Stunden. Zuerst zieht Frau Falk etwa 350 Milligramm mit einer Art Spritze aus dem Stammhirn - zu Demonstrationszwecken beim Premierendurchlauf stammt es vom Fuchs. Das Gewebe wird in ein Röhrchen mit einer Flüssigkeit sowie kleinen Perlen gegeben und im "Ribolyser" durchgeschüttelt. Dann kommen Enzyme in Campari-Farbe hinzu. So werden die infektiösen Prionen herausgefiltert, die sich schließlich am Röhrchenboden absetzen. Im zweiten Schritt zeigt dann die Färbung, ob Entwarnung oder BSE-Alarm gegeben wird: Farblos gleich harmlos, Blau bedeutet positiv.

"Frei zum Verzehr, im BSE-Test negativ getestet" - so wird das Ergebnis hoffentlich lauten. Doch wegen der Jahre währenden Inkubationszeit kann es selbst bei einem Negativbefund keine absolute Sicherheit geben, weiß auch Jochen Hentschke. Bereits vor anderthalb Jahren hatte er sich mit seiner Mannschaft, die sonst andere anzeigenpflichtige Tierkrankheiten wie Schweinepest, Tollwut, Papageienkrankheit und Kuhfieber untersucht, als BSE-Testlabor angeboten - doch damals wollte niemand eine potenzielle Rinderseuchengefahr in Deutschland wahr haben. Sollten die BSE-Nachweistests die geplanten Kapazitäten sprengen, wird Hentschke im Institut Mitarbeiter umsetzen. Es kann losgehen.

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