Berlin : BSR schließt Warenhausfür gebrauchteMöbel Grund: Berliner schmeißen weniger weg

Morgen ist Schlussverkauf mit Sonderpreisen

Ariane Bemmer

Sind die Berliner zu arm für ein Gebrauchtwarenhaus? Wirft niemand mehr gut erhaltene Möbel weg, sondern wohnt sie ab, bis sie nur noch für den Müll taugen? Das behauptet die BSR – und schließt deshalb ihr Gebrauchwarenhaus schon am morgigen Donnerstag. „Wir haben ein Nachschubproblem“, sagt BSR-Sprecherin Sabine Thümler.

Besuch in der Holzmarktstraße. In den Bahnbögen sind die Tore 2 und 5 verschlossen, in der Torbogenhalle 1 steht noch eine Schlafcouch, in Halle 4 jede Menge Tische, teils ramponiert, und in Halle 3 Couchgarnituren. Nur im Haupthaus steht noch eine Menge herum. Vitrinen voller Gläser und Geschirr, Anrichten, Klappsofas, Lampen, Nippes.

Neben der Kasse klebt ein Zettel mit der Nachricht, dass Donnerstag Schluss sei. Die Angestellten hinter der Kasse gucken betrübt. Sie haben die Nachricht erst vor einer Woche erfahren. Die Arbeit im Möbelhaus habe Spaß gemacht, sagt Christian Violi. Jetzt würden die etwa zehn Beschäftigten – „wir waren auch ein tolles Team“ – auseinander gerissen und in anderen BSR-Abteilungen untergebracht; mancher fängt noch am Freitag den neuen Posten an.

500000 Euro wurden laut Sabine Thümler pro Jahr in das Gebrauchtwarenhaus zugeschossen; das könne so nicht weitergehen. Viele Berliner würden ihre Möbel längst im Internet anbieten – auch die BSR hat eine Online-Börse – sodass gut Erhaltenes kaum noch in der Holzmarktstraße angekommen sei. Die hohen Kosten entstehen laut Thümler durch die Abholung. Schrankwände etwa müssten auseinander gebaut, transportiert und im Möbelhaus wieder aufgebaut werden – das koste viel Geld, das durch die niedrigen Preise für die Möbel im Verkauf nicht eingetrieben werde.

Die Mitarbeiter im Möbelhaus der besonderen Art sehen das anders. Es gebe hier viele Stammkunden aus den umliegenden sozial schwachen Wohngegenden. Es sei hier immer viel los gewesen. „Das Konzept der Müllvermeidung ist doch gut“, sagt Violi, der sich fragt, wieso man das Möbelhaus nicht in kleinerem Umfang weiterbetreibt.

Das Konzept hat auch den Berlinern die Gebühren für die Sperrmüllabholung gespart. Wenn jemand gut erhaltene Möbel loswerden wollte, konnte er die dem BSR-Gebrauchtwarenhaus schenken – dafür wurden die umsonst abgeholt.

Am morgigen Donnerstag ist letzter Tag, da muss alles raus. Es gibt einen Sonderverkauf von neun bis 18 Uhr mit Sonderpreisen von 50 Cent für Nippes bis 10 Euro für die größeren Möbel. Auch die Regale aus Violis Büro werden verkauft. Und was am Ende übrig bleibt, kommt dahin, wo es ursprünglich nicht hin sollte: in den Müll.

Gratis-Möbel im Netz:

www.bsr-verschenkmarkt.de

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