Buchautor und Bezirksbürgermeister : Buschkowsky diskutiert mit den Genossen

16.10.2012 10:52 Uhr
Heinz Buschkowsky bei der Diskussion im Willy-Brandt-Haus über sein neues Buch "Neukölln ist überall". Foto: dapd
Heinz Buschkowsky bei der Diskussion im Willy-Brandt-Haus über sein neues Buch "Neukölln ist überall". - Foto: dapd

Man wolle eine "kontroverse Debatte" führen hieß es zu Beginn eines Abends, an dem sich Heinz Buschkowsky der Kritik von SPD-Genossen stellte. Die Ankündigung sollte sich bewahrheiten. Pfiffe aus dem Publikum aber gab es nicht für Buschkowsky - sondern für jemand ganz anderen.

Eigentlich sollte Heinz Buschkowsky mit Sigmar Gabriel diskutieren. Ein Rededuell zwischen zwei Charakterköpfen der SPD im Willy-Brandt-Haus war geplant. Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln und sein Parteivorsitzender - Politiker, die polarisieren können. Doch es kam anders: Gabriel wurde krank. Und so war es SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks, die am Montagabend für ihren Chef einsprang und gemeinsam mit Buschkowsky und der stellvertretenden Parteivorsitzenden Aydan Özoguz über Integrationspolitik debattierte. Man wolle eine „kontroverse Debatte“ führen, sagte Hendricks zur Begrüßung - und sollte Recht behalten.

Doch zuerst las Heinz Buschkowsky aus seinem Buch. Vor drei Wochen hatte der SPD-Politiker „Neukölln ist überall“ vorgestellt. Darin kritisiert er fehlenden Integrationswillen vieler Migranten in seinem Bezirk Neukölln und fordert deutliche Veränderungen im Bildungssystem. Vor allem wegen des Buchtitels war Buschkowsky selbst in die Kritik geraten. Armin Laschet, Vorsitzender der NRW-CDU, warf ihm vor, „eigenes Versagen als exemplarisch für ganz Deutschland zu erklären“.

Laschet sei mittlerweile sein „Lieblingskontrahent“, sagte Buschkowsky zu Beginn seiner Lesung. Dann wehrte er sich gegen die Kritik der vergangenen Wochen. „Ich berichte über meine Flunderperspektive vom Neuköllner Rathausturm“, sagte Buschkowsky. Jeder Leser solle entscheiden, ob er Parallelen zur Situation in seiner Stadt sehe.

Es waren völlig verschiedene Textstellen, die Buschkowsky vortrug. Mal las er Statistiken über den Migrantenanteil an Neuköllner Schulen, mal zitierte er aus eine Brief einer verzweifelten Lehrerin. Dazwischen sprach er frei von seinen Erlebnissen als Bezirksbürgermeister. Dann gestikulierte der SPD-Politiker wild mit den Armen, Empörung lag in seiner Stimme. „Ich dachte ich bin im falschen Film“, schilderte Buschkowsky eine Sitzung der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung, in der es um die Vielehe ging.

Buschkowskys Schlagfertigkeit kam gut an im Publikum. Auch bei der anschließenden Diskussion hatte er die Zuhörer auf seiner Seite. Kritik kam von den Parteifreundinnen auf dem Podium. SPD-Vize Aydan Özoguz zweifelte, ob die von Buschkowsky beschriebene Probleme immer mit dem kulturellen Hintergrund der Menschen zusammenhängen. „Wir brauchen nicht so sehr immer den Blick auf die Herkunft, sondern auf das was ist und tatsächlich im Stadtteil bearbeitet werden muss“, sagte die Bundestagsabgeordnete.

Buschkowsky und Özoguz diskutierten immer ein wenig aneinander vorbei. Buschkowsky betonte, wie wichtig es für Migranten sei, Deutsch zu lernen. Özoguz sprach vom Vorteil, zweisprachig aufzuwachsen. Deutsch zu können, sei natürlich notwendig, „aber das bedeutet nicht, dass andere Sprachen schlechter sind“. Buschkowsky erwiderte, er habe das auch gar nicht gesagt. Für Özoguz gab es Buhrufe und Pfiffe aus dem Publikum.

Barbara Hendricks versuchte, auf dem Podium zu schlichten. „Eigentlich sind die beiden sich auch einig“, sagte die Schatzmeisterin der SPD schmunzelnd. Doch es dauerte nicht lange, da wurde auch zwischen ihr und Buschkowsky der Ton spürbar schärfer. Seine Forderung nach einer Kita-Pflicht ab dem 13. Monat sei verfassungsrechtlich nicht durchzusetzen, warf Hendricks ihrem Parteifreund Buschkowsky vor. Erziehung sei das Recht der Eltern, heiße es im Grundgesetz. Buschkowsky konterte souverän und zitierte den zweiten Satz aus dem entsprechenden Artikel: „Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ Erst gegen Ende der Diskussion wurde die Stimmung versöhnlicher. Ob man sich nicht beispielsweise auf verpflichtende Einsätze für Lehramtsstudenten in Brennpunktschulen einigen könne, fragte Özoguz. „Wir können uns auf alles einigen, das hilft“, schloss Buschkowsky die Debatte. (dapd)

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