Berlin : Buddeln, bitte!

Sandsation heißt das Skulpturenfestival am Lehrter Bahnhof. Da schaffen nicht nur Profis die tollsten Kunstwerke, sondern auch Eltern und Kinder. Am Sonnabend, in unserem Ferienprogramm. Oder sie malen am Nachmittag im Atelier riesige Bilder

Judith Jenner

Mein Papa hat die Figuren schon aus der Luft gesehen. Große Hexen, Elfen und Kobolde. Der ist Kranführer und hat geholfen, den Lehrter Bahnhof zu bauen und viele andere Häuser. „Papa, wie machen die das denn, dass die Sachen nicht wegbröseln, wenn es regnet?“ „Geht schon“, sagt der Papa. „Die großen Skulpturen sind mit Wasser eingesprüht und mit ein bisschen Holzleim.“ Marvin aus Marzahn (6) und sein Vater bearbeiten auf dem „Sandsation“-Gelände einen Klotz aus gepresstem, feuchten Sand. Marvin hält in der linken Hand ein Spielzeugauto. Mit dem rechten Zeigefinger malt er die Umrisse auf den Klotz.

„Nicht träumen, Papa, du kannst auch mal mithelfen. Hinten habe ich mein Auto schon mal flacher gemacht. Das wird die Heckscheibe. Jetzt mache ich das wie bei einem Vanilleeis: Mit einem Plastiklöffel schäle ich gaaanz langsam die oberste Schicht ab. Immer entlang der Linien.“

Sandburgen hat Marvin schon ganz oft gebaut. „Auch mit Wassergräben und einmal sogar mit einer Brücke aus Ästen. Aber ein Auto noch nie. In den Ferien fahren wir nach Rügen. Da kann man besonders gut buddeln. Der Sand pappt noch besser zusammen als hier. Außerdem findet man Muscheln und Algen, aus denen man Fahnen für die Burgzinnen basteln kann. Manchmal macht meine Schwester mit, Clara. Aber die hat heute keine Lust. Papa, frag doch mal Clara, ob sie nächstes Mal mitmacht.“ „Die hört nicht mehr auf mich“, sagt Papa. „Dann musst du eben ,bitte’ sagen.“

„Clara mag nicht buddeln. Die ist schon 16 und findet Buddeln langweilig, und dass das was für Kinder ist.“ Marvin findet, er ist der Weltmeister im Bauen. „Zu Hause habe ich auch Lego und Bauklötze, mit denen man gut Häuser und Garagen für die Spielautos bauen kann. Früher habe ich ja noch Förmchen gebraucht, aber jetzt kann ich selber Formen in den Sand machen. Wenn man so ein Auto aus Sand macht, muss man nämlich total vorsichtig sein. Das ist wie bei einem Geburtstagskuchen. Da schneide ich Scheibchen für Scheibchen ab. Dann ist der Klotz schon mal schmaler. Und jetzt muss man vorne die Schnauze rausfeilen. Ach nee, Papa, du machst mit deinen dicken Fingern Wellen rein!“ „Ich will doch nur das Dach glatt machen“, sagt Papa. „Nein, so machst du riesige Rillen rein. Jetzt muss ich alles mit dem Messer glatt klopfen. Ach, nee. Weißt du, was ich als Nummernschild nehme? Meinen Namen. Das Sand-Auto kommt aus Marvin. Und weißt du, was wir jetzt damit machen? Wir fahren damit nach Rügen an den Strand.“

Folge4 unserer Serie erscheint am Die., 26. Juli: Klettern im Hochseilgarten.

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