Bügelbrücke : Arbeiten am Hauptbahnhof im Plan

Die weltweit einmalige Montage von zwei 1250 Tonnen schweren Stahlskeletten über dem Glasdach des Berliner Hauptbahnhofes ging am späten Samstagnachmittag zu Ende - beobachtet von vielen Schaulustigen.

Berlin (30.07.2005, 17:50 Uhr) - Tausende Menschen schauten zu, wie die Bauteile ähnlich einer Klappbrücke im Zeitlupentempo von der Senkrechten in die Waagerechte aufeinander zukippten. Das in der Nacht begonnene Projekt verlaufe weiter planmäßig, sagte Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert.

Später werden die Bauteile das zweite Glasdach der Station halten und zwei Bürotürme verbinden. Am späten Nachmittag fehlten nur noch wenige Meter beim Absenken der rund 70 Meter langen Bauteile.

Die Stadtbahn, Berlins wichtigste Schienenverbindung, war wegen der Baumaßnahmen gesperrt. Etwa 2000 Züge konnten nicht wie gewohnt durch den Bahnhof rollen. Normalerweise nutzen den Abschnitt täglich hunderttausende Fahrgäste. Die Bahn informierte mit 240 Mitarbeitern über die Änderungen.

ICE- und IC-Linien Richtung Berlin endeten am Bahnhof Zoo oder am Ostbahnhof. Für Regionalbahnen wurde die Strecke zwischen Zoo und Friedrichstraße gesperrt. Bei der S-Bahn wurde zwischen den Stationen Bellevue und Friedrichstraße Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

«Schon in der Nacht war klar, dass es trotz der Gewitter gut läuft», sagte Bahn-Projektmanager Andreas Gausmann. Wegen der Unwetterwarnung sei aber darauf verzichtet worden, Deckbleche in die Bauteile einzusetzen. «Wir wollten dem Wind so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten.» Schon vor Abschluss der Baumaßnahme feierte die Bahn das technische Großmanöver mit Sekt und Schnittchen.

Am Spreeufer verfolgten mehrere tausend Berliner und Touristen das Spektakel. Zum Teil hatten sie seit der Nacht ausgeharrt und sich mit Kaffee und Butterbroten wach gehalten. «Irgendwie genial», «eine irre Angelegenheit», kommentierten sie. Heidi Schröder (65) und ihr Mann Otto (71) hatten es sich auf Klappstühlen bequem gemacht. Gute Ausdauer war gefragt, weil die Brückenteile im Scheckentempo von fünf Metern pro Stunde sanken - für das bloße Auge kaum wahrzunehmen.

Lob für die beteiligten Planer und Arbeiter gab es auch von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). «Hier wird die neue Mitte komplettiert», sagte er vor Ort. Der SPD-Politiker verteidigte den Neubau gegen Kritik, das Projekt sei überdimensioniert. «Dieser Bahnhof wird für die nächsten Jahrzehnte gebaut.»

Fern- und Regionalzüge sollen am neuen Hauptbahnhof ab Mitte 2006 halten - pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft. Zu den Kosten macht die Bahn keine konkreten Angaben. Die Projektleitung hofft aber, beim Bahnhofsgebäude mit seinen fünf Ebenen unter 700 Millionen Euro Baukosten bleiben zu können. (tso)

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