Berlin : Bügelnde Handys

Elisabeth Binder

begrüßt die neuen Talente mobiler Telefone Eine gute Nachricht aus der Welt der Handys. Dank des gewachsenen Gebührenbewusstseins ist die Rückbesinnung auf mehr Substanz beim Telefonieren nicht mehr aufzuhalten. Heute muss keiner mehr per Handy dreißigsekündliche Bulletins über seinen aktuellen Geisteszustand an die liebe Verwandtschaft herausgeben. Die verbesserte Nutzungsvielfalt eröffnet andere Horizonte.

Der Einstieg in die neue Kultur der kostenbewussten Handynutzung geht über die schicken neuen Klingeltöne. Wer sich die „Ode an die Freude“ mit einer Extraportion Pauken und Posaunen runtergeladen hat, wartet lieber, bis er angerufen wird, statt selber ganz unspektakulär eine Nummer einzutippen. Früher als er noch mit nervigen Plappereien Geld verbrannte, zog ein Handybesitzer schon mal böse Blicke auf sich. Jetzt, wo er ein portables Orchester mit sich führt, darf er sogar auf Applaus hoffen. Eher introvertierte Zeitgenossen verewigen mit der eingebauten Fotolinse ihre Mitmenschen, statt sie mit teurem Gesülze in die Flucht zu schlagen. Die echten Pragmatiker trifft man dieser Tage an den verbliebenen öffentlichen Telefonzellen. Dort blättern sie cool durch ihr mobiles Telefonverzeichnis und wählen dann auf dem dicken Festapparat. Während die kostengünstigen Festnetztelefone offenbar vor einem furiosen Comeback stehen, sollten die Mobilnetzbetreiber schon mal überlegen, was sie den Handys als nächstes beibringen. Das Bügeln zum Beispiel. Oder das Autofahren: „Handy, hol schon mal den Wagen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar