Berlin : Bühne frei im Wohnzimmer: Heute beginnt das Literatur-Festival

Doreen Fiedler

Statt Polstersessel dienen Gartenstühle zum Sitzen, ein Basilikumtopf ersetzt das Blumenbouquet als Dekoration. Doch der Vorleser lässt sich nicht von der ungewohnten Umgebung irritieren und trägt in der Wohnzimmer-Stimmung mit viel Nähe zum Publikum seinen Text vor.

Solche ungewöhnlichen Momente passierten im vergangenen Jahr an mehreren privaten Orten. Denn beim Festival „Literatur in den Häusern der Stadt“ stellen Gastgeber die Räume, die als Bühne und Zuschauerraum fungieren. Nun kommt die Reihe des Vereins Kunstsalon aus Köln das zweite Mal nach Berlin. Und wieder richten Gastgeber ihre Wohnzimmer und Werkräume her, öffnen ihre Ateliers und Arbeitsstätten, laden unbekannte Gäste ein in ihre Lofts und Läden und zeigen ihre Gärten und Terrassen.

Die 18 Lesungen an vier Tagen stehen unter dem Motto „Die Sehnsucht“. Der Bogen reicht dabei vom Abenteurer Karl May (gelesen von Ulrich Matthes) über den Natur-Liebhaber Jakob Augstein bis hin zu Fußball-Träumer und Tagesspiegel-Autor Moritz Rinke.

Die Organisatoren wollen die Tradition der literarischen Salons wiederaufleben lassen, die in Berlin im 18. und 19. Jahrhundert blühte. „Die Künstler suchen auch heute nach Flächen in der Stadt, wo sie auftreten können“, sagt Festivalleiterin Juliane Otte, die auch selbst ihr Zuhause öffnet. Anders als im Theater kämen die Autoren und Schauspieler dabei direkt in Kontakt mit Zuschauern.

Das gilt auch für die Gastgeber. „Sie müssen die Freude und Neugierde haben, fremde Leute in ihre Wohnung zu lassen“, sagt Otte. Viele weitere Bedingungen gibt es nicht. So sollte zwar die Bewirtung sichergestellt sein und etwas für das Festival gespendet werden, sonst aber haben die Gastgeber freie Hand. Ob Hofterrasse, Dach, Herrenhaus, Strandbad oder Lastkahn – Hauptsache, es passen mindestens 30 Stühle hin. Doreen Fiedler

„Literatur in den Häusern der Stadt“, von Donnerstag, 14. Juni, bis Sonntag, 17. Juni, Tickets 18 Euro, Schüler und Studenten 11 Euro, Programm und Tickets unter www.kunstsalon.de

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