Berlin : Bühnenreifes Afrika

Aus dem Ghetto in den Admiralspalast: Die Trommel- und Tanzshow Umoja kommt nach Berlin

Sebastian Leber

Nein, das ist nicht die neue Show von André Heller. Bei „Umoja“ verbiegt sich niemand die Wirbelsäule, keiner steigt durch einen Tennisschläger-Rahmen. Drei Monate nach dem Zirkusspektakel „Afrika! Afrika!“ kommt jetzt eine Show nach Berlin, in der zweieinhalb Stunden lang nur getanzt, getrommelt und gesungen wird. Und bei der die Zuschauer trotzdem ins Staunen kommen.

„Umoja“ ist ein Wort aus der Sprache der Xhosa, dem zweitgrößten Volk Südafrikas. Es bedeutet „Geist des Zusammenseins“, aber umgangssprachlich heißt es: „Alles in Ordnung“. Beide Übersetzungen ergeben Sinn. Denn erstens machen die Tänzer und Trommler soviel Wirbel auf der Bühne, dass man zeitweise meint, da stünde ein riesiges, pulsierendes Wesen statt 40 einzelner Menschen. Und zweitens versprühen diese dabei mehr Lebensfreude als der extremste Salto bei André Heller.

Todd Twala heißt die Chefin der Show. Wie alle Darsteller kommt sie aus den Armenvierteln Johannesburgs, den so genannten Townships. In der Apartheidszeit mussten die Schwarzen dort leben, oft in Wellblech- oder Holzhütten, meistens ohne Strom. Heute tun sie es, weil sie kein Geld zum Wegziehen haben. Die 51-jährige Twala ist längt weg, sie hat für südafrikanische Verhältnisse eine Menge Geld. Früher war sie selbst Tänzerin, tourte während der Apartheid mit verschiedenen Shows durch Europa. „Da haben Weiße über uns gewacht“, sagt sie. Soll heißen: „Wir durften zwar entscheiden, was wir tanzen, aber sie haben das meiste Geld eingesteckt.“ Wenn Twala das heute erzählt, kommen ihr Tränen. Sie kennt noch mehr traurige Geschichten, zum Beispiel, wie 1976 im Township Soweto ein Aufstand losbrach und fast 600 Schüler und Studenten von der Polizei niedergeschossen wurden. Twala stand mitten in der Menge. So dramatisch geht es in der Show nicht zu, aber die Rassentrennung ist Thema. Umoja soll musikalischer Geschichtsunterricht sein: Auf künstlerische Weise zeigen die Tänzer, wie sie das Apartheidregime quälte – und wie die Unterdrückung in den 90ern überwunden wurde.

Diese Woche reist Twala nach Deutschland, um sich die Bühne im Admiralspalast anzusehen. Hier wird am 5. Dezember die erste Deutschlandshow sein, nach zwei Wochen in Berlin geht es weiter nach Frankfurt. Ob Umoja ankommt? „Davon gehe ich aus“, sagt die Chefin. Schließlich lief die Show bereits in 23 Ländern, „und immer mit Erfolg“. Das liege auch daran, dass „die Welt viel Interesse am neuen Südafrika hat“. Den „Mandela-Bonus“ nennt sie das. Ihr eigentliches Ziel hat Twala sowieso schon erreicht. „Ich wollte die südafrikanische Jugend für traditionelle Musik interessieren.“ Denn bevor Umoja in Südafrika populär wurde, hätten „die jungen Leute nur Rappern wie 50 Cent zugehört“.

5. bis 16. Dezember im Admiralspalast. Karten von 24 bis 57 Euro. Infos unter 47 99 74 99 oder www.admiralspalast.de.

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