Berlin : Bürgerämter: Formular-Phobie

Traugott,Anita Gumpert haben Berlin mittlerwei

Traugott und Anita Gumpert haben Berlin mittlerweile verlassen und schreiben dem Tagesspiegel aus Oldenburg:

Vor etwa zwei Jahren zogen wir aus einer westdeutschen Großstadt nach Berlin. Unsere Erfahrungen hier:

Anmeldung: Der Umzugs-Spediteur hatte uns Anmeldeformulare gegeben. Wir füllten sie sorgfältig und maschinegeschrieben aus und fuhren zu der für unseren Wohnbereich zuständigen Meldebehörde. Nach langem Warten gerieten wir an eine freundliche Angestellte, die uns eröffnete, unsere Formulare seien für Berlin nicht gültig. Also neue Formulare ausfüllen. Unsere Angaben wurden dann in unserem Beisein von diesem neuen Formular in den PC eingegeben. Alles in allem dauerte dieser Vorgang mindestens 45 Minuten (ohne Wartezeit).

Finanzamt: Eines Tages flatterte uns eine Steuermahnung ins Haus (mit Mahngebühr). Anruf beim Finanzamt: Uns seien weder die Bankverbindung, unsere neue Steuernummer noch die Zahlungstermine für die Vorauszahlungen der Steuer bekannt. Die freundliche Angestellte gab alle Daten telefonisch durch und bat darum, die Steuer möge doch in Zukunft abgebucht werden. Ja, wir würden das entsprechende Formulare zugeschickt bekommen.

Es kam sage und schreibe ein Formular mit dem wir das Formular für die Abbuchungsermächtigung anfordern sollten!!! Das Formular kam und wurde sofort ausgefüllt zurückgeschickt. Nun sollte man meinen, alles sei in Ordnung - nicht so in Berlin. Kurz nach der Fälligkeit der nächsten Zahlung kam erneut eine Mahnung (mit Mahngebühr).

Anruf unsererseits beim Finanzamt, dass die Abbuchungsermächtigung doch dort vorliege. Die freundliche Angestellte: Ja, aber die Bearbeitungszeit für eben solchen Vorgang dauere schon sechs Wochen und wir möchten doch freundlicherweise den Betrag überweisen; ist dann auch geschehen, allerdings ohne Mahngebühr, versteht sich. Große Freude bei uns - sind wir doch vermutlich noch soeben an einer Formular-Phobie vorbeigeschrammt!

Auto-Ummeldung: Da sind wir erst gar nicht hingegangen, sondern haben unseren Wagen durch eine Werkstatt ummelden lassen.

Vor einem halben Jahr sind wir wieder in unsere westdeutsche Großstadt zurückgezogen. Unsere Erfahrungen dort:

Anmeldung: Ohne Wartezeit und ohne Formular, unsere Angaben wurden gleich in den PC eingegeben. In zehn Minuten war alles erledigt.

Finanzamt: Nach kurzer Zeit des hier Wohnens kam der Bescheid des Finanzamtes mit allen nötigen Angaben und dem Formular für die Erteilung der Einzugsermächtigung.

Auto-Ummeldung: Nach 45 Minuten fuhren wir mit neuen Nummernschildern wieder nach Hause.

In der Kälte stehen gelassen

Alexander Sobotta aus Berlin-Tempelhof schreibt:

Am 16. 2. 2001 habe ich Antrag auf Heizkostenzuschuss gestellt. Lange ließ das Bürgeramt Tempelhof nichts von sich hören, bis zum 1. 2. 2002. Da erhielt ich einen Brief vom Bürgeramt. Meine Unterlagen seien unvollständig. Also machte ich mich auf den Weg, um die fehlenden Unterlagen vorzuzeigen.

Beim Bürgeramt angekommen, nach 25 Minuten Wartezeit (überraschend wenig!), wurde mir mitgeteilt, dass ich als BaföG-Empfänger den Heizkostenzuschuss beim BaföG-Amt in der Behrenstraße beantragen muss.

Die Mühlen der Bü rokratie mahlen langsam, aber sie mahlen ...

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