Bürgerinitative "Freie Heide" : Bombodrom: Überparteilichkeit als Erfolgsgeheimnis

Das „Bombodrom“ taugt nicht zum Wahlkampf, findet die Bürgerinitiative „Freie Heide“. Und achtet strikt auf Neutralität.

Claus-Dieter Steyer

Rheinsberg - Die Fahrt durch die Kleinstädte und Dörfer entlang des „Bombodroms" wird noch immer von freudigen Botschaften begleitet. „Die Heide ist frei! 09.07.2009“ lautet die Aufschrift auf den in allen Ortschaften zwischen Neuruppin, Rheinsberg und Wittstock zu findenden Tafeln, die einst als Protest gegen den hier ursprünglich geplanten Bombenabwurfplatz aufgestellt wurden.

Der Tag, an dem Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CSU) nach 27 verlorenen Gerichtsprozessen und einem fast 17-jährigen Kampf der Region um eine freie Kyritz-Ruppiner Heide den Rückzugsbefehl gab, bleibt somit unvergessen. Dazwischen fallen die Wahlplakate mit ihren wenig konkreten Aussagen bis auf eine Ausnahme kaum auf.

Die Linken fordern „Dranbleiben!“. Dahinter verbirgt sich die Sorge, die Bundeswehr könnte den 14 000 Hektar großen Übungsplatz vielleicht für Bodentruppen in Beschlag nehmen.

„Wir brauchen einen rechtssicheren Verzicht auf jede militärische Nutzung des Geländes“, verlangt die linke Spitzenkandidatin Kristen Tackmann, die in Tornow bei Kyritz zu Hause ist. Außerdem müsse der Bund sofort mit der Bergung von Blindgängern beginnen.

Die Bundestagsabgeordnete hat sich erst vor wenigen Tagen im Bundesverteidigungsministerium nach dem weiteren Fortgang der Dinge erkundigt. Die Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Kossendry überzeugte sie jedenfalls nicht. „Über die weitere Verwendung des Truppenübungsplatzes Wittstock (Kyritz-Ruppiner Heide) ist noch nicht entschieden“, teilte er mit: „Die Prüfung dauert an. Wann diese abgeschlossen werden kann, ist gegenwärtig noch nicht absehbar.“

Diese Hängepartie bringt auch Politiker anderer Parteien ziemlich auf die Palme. „Falls die Bundeswehr tatsächlich neue Pläne für die Heide hat, verschiebe ich meinen Abschied von der aktiven Politik“, kündigte SPD-Landrat Christian Gilde an, der bei den Wahlen aus Altersgründen nicht mehr antreten will. „Dann beginnt der Widerstand von vorn.“

Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU), der sich vor fünf Jahren als erster märkischer Unionspolitiker gegen das „Bombodrom“ aussprach, nimmt Verteidigungsminister Jung in Schutz. „Es gibt keine Anzeichen für eine weitere militärische Nutzung des Platzes“, sagt er. „Vor der Bundestagswahl reichte offenbar die Zeit für ein juristisch korrektes Ende des Anspruchs nicht mehr aus.“

Bei dieser einmütigen Konstellation der großen Parteien scheint das Thema „Bombodrom“ im Wahlkampf kaum eine Rolle zu spielen. Lediglich Wittstocks parteiloser Bürgermeister Jörg Gehrmann, der das Mandat der CDU und einer Freien Wählergemeinschaft trägt, trauert der Bundeswehrabsage nach. „Eine fast 1000 Soldaten starke Garnison, die uns die Bundeswehr versprochen hatte, wäre ein Segen für uns gewesen. Nun hoffe ich, dass möglichst viele Menschen bei der Sanierung des Übungsplatzes einen Job erhalten“, meinte er.

Die Bürgerinitiative „Freie Heide“ selbst hält sich im Wahlkampf betont zurück. „Wir geben grundsätzlich keine Wahlempfehlung ab“, sagt denn auch ihr Chef Benedikt Schirge. „Da wir uns als überparteiliche Bewegung betrachten, soll jeder Wähler selbstständig entscheiden.“ Wichtig sei jetzt, dass das Gelände nicht vergessen werde und die Munitionssuche beginne.

Die neutrale Ausrichtung der Bürgerinitiative musste unlängst auch die Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm (Bündnis 90/Grüne) etwas überraschend zur Kenntnis nehmen. Sie hatte für Ende August einen Runden Tisch zur Zukunft der Kyritz-Ruppiner Heide vorgeschlagen und war damit auf Ablehnung gestoßen. „Eine solche Diskussionsrunde darf keinesfalls von einer Partei dominiert werden und sollte nicht vor der Bundestagswahl stattfinden“, lautete die Begründung von der „Freien Heide“. Gerade die Überparteilichkeit des Widerstands gegen das „Bombodrom“ gehörte zu den Erfolgsgeheimnissen, meint Benedikt Schirge: „Dabei bleibt es auch im Jahr 2009“.Claus-Dieter Steyer

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