Berlin : Bürgerinitiative beklagt Zerstörung des Tiergartens und fordert neue Route

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Gegner der Love-Parade-Route über die Straße des 17. Juni haben ihre Forderung bekräftigt, die Massenveranstaltung im kommenden Jahr nicht mehr im Großen Tiergarten stattfinden zu lassen. Als Ersatz schlug die Bürgerinitiative "Rettet den Großen Tiergarten" gestern das Adlergestell in Adlershof, die Avus und das Gelände rund um das Olympiastadion vor. Bei der Love Parade handle es sich zudem eindeutig nicht um eine politische Demonstration, sondern um eine kommerzielle Party, sagte die Sprecherin der im August gegründeten Bürgerinitiative, Margarethe Pape. Ihren Angaben zufolge hat Innensenator Eckart Werthebach (CDU) der BI auf einer Wahlveranstaltung am 5. Oktober gesagt, dass die Parade 2000 nicht mehr als Demo zugelassen werde. Werthebachs Sprecher Norbert Schmidt sagte, der Senator habe zugesagt, die Kritik beim Genehmigungsverfahren zu berücksichtigen. Dieses sei aber noch nicht abgeschlossen. Letzte Woche hatten die Veranstalter die Parade erneut als Demonstration angemeldet.

In den vergangenen Jahren habe sich der Senat durch die Veranstalter "erpressen" lassen, die mit dem Abzug der image- und einnahmeträchtigen Parade gedroht hätten, sagte Pape. Die Initiative hat in den vergangenen Wochen 986 Unterschriften gesammelt und will sich demnächst mit Landes- und Kommunalpolitikern treffen. Die Bürgerinitiative sei nicht gegen die Love Parade an sich. "Sie soll stattfinden, aber an einem Ort, wo sie die Tier- und Pflanzenwelt nicht zerstört", sagte Pape. An den Love-Parade-Wochenenden habe sich im Tiergarten in den vergangenen Jahren ein "rechtsfreier Raum" entwickelt, in dem es "Übergriffe auf das Eigentum von Anwohnern" gegeben habe sowie einen "offenen Drogenhandel". Der unter Denkmalschutz stehende Park würde durch die Besucher und haufenweise "Ekelmüll" wie gebrauchte Kondome, Urin und Kot verschandelt und zerstört, sagte Pape. Unterstützung erhofft sich die Initiative von den Tiergartener Abteilungen von SPD, Grünen und CDU.

Als "Hölle" beschrieb die Bewohnerin des Hansaviertels und Mitglied der Bürgerinitiative, Johanna Knebusch, ihre Erfahrungen mit der Love Parade. Ihr Bungalow sei 1999 von Freitag bis zum Sonntag "mit einer wahnsinnigen Lautstärke" beschallt worden. Im Nachbarhaus hätten Raver eine Verschalung eingetreten. Als sie das Viertel verlassen wollte, erzählte die 69jährige, sei sie von einem Mann gestoppt worden, der auf ihrem Auto herumgetrommelt und sie beschimpft habe.

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