Berlin : Bürgermeister Weber will in den Bundestag, soll aber nicht

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Im CDUOrtsverband Schloßstraße halten sie zu Herbert Weber. Dort hat der Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, seinen Parteifreunden am vergangenen Freitag eröffnet, er wolle in den Bundestag. Weber sei schließlich im Bezirk „sehr bekannt“, sagt Marina Martienßen, die Ortsverbandsvorsitzende, er sei jemand, der in dem zu erwartenden kurzen Wahlkampf „besteht“.

Diese Zuversicht wird kaum reichen, um im Berliner Südwesten tatsächlich nominiert zu werden. Webers Ruf ist im Kreisverband nicht mehr allzu gut. Mehrfach hat er die Südwest-CDU mit problematischen Äußerungen zum 8. Mai und zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieg ins Gerede gebracht. Weber äußerte sich abschätzig über Deserteure; Weber bestand lange auf einem dann revidierten Bezirksamtsbeschluss, der das Leid der Deutschen durch den Krieg besonders hervorhob. So geriet der ganze Kreisverband in ein trübes Licht, obwohl sich gerade die Südwest-CDU als bürgerlich-liberale Gruppierung in der Partei versteht.

Die Ortsverbandvorsitzende Martienßen streift das Thema, wenn sie sagt, für Weber spräche, was er „über die Gesamtzeit“ geleistet habe – nicht bloß in den vergangenen Monaten. Doch der Bürgermeister ahnt längst, dass er in der Südwest-CDU nicht mehrheitsfähig ist. Er besteht deshalb nicht auf einer Kampfkandidatur in der Wahlkreisvertreter-Versammlung, die zwischen dem 18. und dem 25. Juni die Kandidaten bestimmen soll. Stattdessen will Weber in Absprache mit dem Kreisverbandsvorsitzenden Michael Braun und dem chancenreichsten Bewerber Karl-Georg Wellmann die Kandidatenfrage klären – und zwar so, dass jeder der Beteiligten „ohne Gesichtsverlust“ aus dem Gespräch herauskommt, wie er sagt.

Wellmann ist Rechtsanwalt und seit November 2001 Mitglied des Abgeordnetenhauses. Dort kümmert er sich vor allem um Stadtentwicklung. Kreischef Braun lobt Wellmanns Bemühungen um die Kommunalpolitik in Steglitz-Zehlendorf. Er habe sich mit der Zukunft der Siedlung am Hüttenweg ebenso befasst wie mit dem BVB-Verkehrshof.

Dafür ist Christoph Stölzl unter seinen Parteifreunden im Südwesten nicht berühmt. Er gilt dort als chancenlos. Stölzl sagt, dass es viele gebe, die ihn aufforderten, in den Bundestag zu gehen. Noch ist unklar, wer ihn nominiert. wvb.

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