Bürgermeisterwahl : Drei Frauen wollten ins Rathaus

Es ist keineswegs so, dass Renate Künast die erste Politikerin ist, die sich um das höchste Regierungsamt in Berlin bewirbt.

Foto: dpa/pa Foto: picture-alliance / dpa
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Vor ihr gab es schon zwei Frauen, die ihre Partei in den Wahlkampf führten: Ingrid Stahmer (SPD) und Sibyll Klotz (Grüne). Beide schafften es aber nicht ins Rote Rathaus. Anders Louise Schroeder. Die gebürtige Hamburgerin, die ihr Leben der sozialen Gerechtigkeit und der Gleichstellung der Frau verschrieb, wurde am 8. Mai 1947 Oberbürgermeisterin von Berlin und blieb bis Dezember 1948 im Amt. Nach der politischen Teilung der Stadt blieb die Sozialdemokratin noch drei Jahre Mitglied des West-Berliner Senats, als 1. Bürgermeisterin unter Ernst Reuter. Als erste Frau in der Geschichte Berlins bekam Louise Schroeder 1957 die Ehrenbürgerschaft verliehen.

Vier Jahrzehnte später versuchte Ingrid Stahmer, ebenfalls Sozialdemokratin und Sozialpolitikerin, Regierende Bürgermeisterin von Berlin zu werden. Auch sie ist ein Nordlicht, geboren in Bremen. Stahmer setzte sich 1995 in einer innerparteilichen Abstimmung als SPD-Spitzenkandidatin gegen den früheren Regierungschef Walter Momper durch.

Foto: Rückeis
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Vorher hatte sie schon mehrere Jahre politische Erfahrung gesammelt, als Stadträtin für Sozialwesen in Charlottenburg, dann als Sozial-, Gesundheits- und später noch als Jugend- senatorin. Aber der Wahlkampf 1995 wurde für die SPD-Kandidatin zur Tortur, begleitet von parteiinternen Anfeindungen und Flügelkämpfen. Nach der Wahlniederlage (23,6 Prozent für die SPD) blieb Ingrid Stahmer noch vier Jahre Schulsenatorin, 1999 zog sie sich aus der Politik zurück und gründete eine Beratungs- und Coachingfirma.

Klotz
Klotz

Als Sibyll Klotz, damals Grünen-Fraktionschefin im Abgeordnetenhaus, im Wahljahr 2001 zur Spitzenkandidatin ihrer Partei gewählt wurde, rief sie den Delegierten zu: „Wer eine SPD-PDS-Koalition verhindern will, muss Grün wählen!“ Denn die Grünen seien die einzige Partei in Berlin, die eine wirklich weiße Weste habe. Die gebürtige Berlinerin, die aus dem Osten der Stadt kam und ehemals SED-Mitglied war, gehörte seit 1991 der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus an und wurde vier Jahre später erstmals zur Spitzenkandidatin nominiert. Dann noch einmal im Juli 2001, kurz nach dem Bruch der großen Koalition, als die Grünen ein halbes Jahr gemeinsam mit der SPD Berlin regierten, toleriert von der PDS. Doch bei der Wahl 2001 blieben die Grünen bei 9,1 Prozent hängen und sind seitdem in der Opposition. Sibyll Klotz blieb zunächst Fraktionschefin. Seit 2006 ist sie Sozialstadträtin in Tempelhof-Schöneberg. za

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