Bürgerplattform : Treptow: Leo Penta, Organizing Schöneweide

Organizing Schöneweide ist Berlins erste und erfolgreichste Bürgerplattform. Ins Leben gerufen wurde sie von Leo Penta, einem US-Amerikaner und Theologen.

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Nicht konfliktscheu. Priester Leo Penta nimmt auch Bezirkspolitiker ins Gebet.
Nicht konfliktscheu. Priester Leo Penta nimmt auch Bezirkspolitiker ins Gebet.Foto: Thilo Rückeis

Wir fühlten uns verloren“, sagt Ursula Glatzel, Ur-Oberschöneweiderin im neunten Lebensjahrzehnt, „dann hat uns Herr Penta entdeckt und wieder Hoffnung gegeben.“ Leo Penta rümpft die Nase, hört so was gar nicht gerne, ist doch kein Heilsbringer. Dann drängt er zum Aufbruch. Niemals die Zeit anderer vergeuden ist eine wichtige Grundregel von „Organizing Schöneweide“, Berlins erster und erfolgreichster Bürgerplattform, ins Leben gerufen von Leo Penta, US-Amerikaner und Gemeinwesen-Experte mit Dienstsitz in der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Karlshorst.

Penta und Schöneweide sind sich 1999 zum ersten Mal begegnet. Der Philosoph und Theologe trat seine Stelle als Professor an und querte auf dem Weg zur Arbeit die Spree an jenem Ort, wo früher die Kabelwerke Oberspree und andere Industrieunternehmen mehr als 20 000 Menschen beschäftigt hatten. Inzwischen standen die meisten Werkshallen leer, und Oberschöneweide war zur Arbeitslosenhochburg verkommen. Penta brachte die lokalen Initiativen, Unternehmen und Vereine an einen Tisch und gründete eine Bürgerplattform nach dem Vorbild der „East Brooklyn Congregations“ in New York. Wichtigste Regeln: finanzielle Unabhängigkeit, agieren statt reagieren, straffe Organisation nach innen und Hartnäckigkeit nach außen. „Wir wollen auf Augenhöhe behandelt werden“, sagt Penta, „das haben viele Politiker noch nicht begriffen.“

Das erste Projekt der Plattform war gleich ein 120-Millionen-Ding: ein neuer Campus für die Hochschule für Technik und Wirtschaft. Zehn Jahre nach den ersten Gesprächen läuft Penta mit dem Vizepräsidenten der Hochschule durch die neue Mensa hinaus auf die schicke Spreepromenade mit Strandbar und Blick auf den Kaisersteg, einer nach historischem Vorbild gebauten Fußgängerbrücke über die Spree, dem zweiten wichtigen Erfolgsprojekt. Das dritte Plattform-Projekt hat noch nicht geklappt: Der Uferweg zwischen Kaisersteg und Uni ist versperrt, weil ein Privatbesitzer mauert. Dagegen sind auch hartnäckige Bürger machtlos.

Organizing Schöneweide ist jetzt eine feste Größe im Bezirk, geleitet von einer hauptamtlichen Managerin, die von den Mitgliedsvereinen und -unternehmen finanziert wird. Penta kümmert sich um weitere Bürgerplattformen in Moabit und Neukölln. Die Politik hat erst spät auf die neue Form von Bürgerbeteiligung reagiert. Die Bürgermeisterin von Treptow-Köpenick, Gabriele Schöttler (SPD), hat sich unbeliebt gemacht. Sie habe die Einsetzung eines Regionalmanagers verschleppt, der Unternehmen nach Schöneweide holen soll, sagen die Organizer. Die Bürgerplattform brachte vor zwei Jahren 150 000 Euro zur Kofinanzierung des Managers auf, der Bezirk wollte sich um die restlichen 600 000 Euro EU-Mittel kümmern.

Es gibt beiderseits der Spree noch große Brachflächen und leer stehende Backsteinhallen, die nach neuen Aufgaben streben. Echte Arbeitsplätze sollen her. Nach der Schließung des Samsung-Werkes fehlt ein Großinvestor, der kleinere Unternehmen um sich schart. Nur drei Mittelständler haben derzeit mehr als 100 Mitarbeiter.

Leo Penta ist Priester, aber nach 30 Jahren Erfahrung mit Unternehmen, Behörden und Bürgern könnte er auch eine Unternehmensberatungsfirma gründen. Die Verwaltung müsse effizienter arbeiten, glaubt er. Wäre der neue Flughafen in Schönefeld früher gebaut worden und die geplante Südost-Straßenverbindung zwischen Köpenick und der Autobahn am Teltowkanal Wirklichkeit, sähe es in Schöneweide anders aus.

Als letzten Akteur auf der Rundtour durch das Organizing-Revier präsentiert Penta den Vizevorsitzenden des Kleingartenvereins „Am Freibad“, Gunnar Boese, und einen Apfelbaum. Den Baum haben die Kleingärtner zur feierlichen Umwidmung eines Teilstücks der Nalepastraße in einen Park gepflanzt. Ein Stück Beteiligungsarbeit mit erfolgreichem Ausgang.

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