Bürgerschaftliches Engagement : Das Landleben soll schöner werden

Die Robert-Bosch-Stiftung fördert Bürgerprojekte, die der Landflucht entgegen wirken wollen. Von mehr als 700 Bewerbern wurden 20 ausgewählt - davon sechs in Brandenburg.

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Was macht mehr Spaß? Selbst gemachte Kirschmarmelade von den Nachbarn zu probieren oder den immer gleichen Fruchtaufstrich beim Discounter aus dem Karton zu pflücken? Lebensqualität und Heimatgefühl verstecken sich oft in scheinbar winzigen Dingen. Ob man sich an einem Ort wohlfühlt, hängt sehr stark auch von den Mitmenschen ab und den Möglichkeiten, ihnen zu begegnen.

Wie groß das Bedürfnis nach Qualitätssteigerung des Heimatgefühls ist, erfuhren die Mitarbeiter der Robert-Bosch-Stiftung, als sie das Programm „Neulandgewinner“ aus der Taufe hoben. Gefördert werden ehrenamtliche Initiativen in den neuen Bundesländern, die der Verödung durch Abwanderung entgegenwirken sollen. „Der Staat kann Rahmenbedingungen schaffen, aber nie Dinge mit Leben füllen“, sagte Geschäftsführerin Ingrid Hamm. Deshalb habe man Menschen mit Mut und Unternehmungsgeist gesucht. Die Resonanz hat sie beeindruckt. Mehr als 700 Bürgerprojekte bewarben sich. Davon wurden 20 ausgewählt für das Programm, darunter sechs in Brandenburg.

Die Macher werden zwei Jahre lang begleitet und mit bis zu 50 000 Euro unterstützt. In der neuen Repräsentanz der Stiftung an der Französischen Straße konnten sie sich jetzt schon mal vernetzen. Karsten Wittke etwa will in einem gestalterischen Wettbewerb die „Baruther Bank“ schaffen. Solche Bänke sollen im Ort aufgestellt werden und Neubürger, Alteingesessene und Besucher miteinander ins Gespräch bringen. Im Landkreis Märkisch-Oderland will Thomas Winkelkotte ein Mitfahrgelegenheitssystem etablieren, das die Mobilität der Landbewohner fördern und der Umwelt guttun soll. Welche klassischen Berufe, welche künstlerischen und freiberuflichen Tätigkeiten eignen sich für eine Erwerbstätigkeit in ländlichen Regionen? Dieser Frage geht in Oderaue die Akademie für Landschaftskommunikation nach und will ein Unterrichtsmodul für die Klassenstufen 9 und 10 erarbeiten.

In Perleberg will Kerstin Süske ein leer stehendes Bürgerhaus aus dem 15. Jahrhundert zum kreativen Rathaus machen – – mit Schülercafé, Galerie, Theaterklub und Kunstquartier. Nach süddeutschem Vorbild plant Herta Bentlage aus Angermünde saisonale Besenwirtschaften, die zur Haupterntezeit hausgemachte Speisen und Getränke anbieten, etwa Rhabarberwein oder Erdbeerbowle. Mit einer Dorfküche, Gemeinschaftswerkstatt, Laden, Café und Mehrgenerationenspielplatz will Christian Kamp dem Ort Schönfeld neues Leben einhauchen.

Machen die Projekte anderen Lust, ihnen nachzueifern? Das sei ein wichtiges Kriterium gewesen, sagte Ingrid Hamm. Der eintägige Workshop sollte auch dazu beitragen, dass die Macher eine Community bilden im Bewusstsein „Wir sind der Klub der Pioniere“.

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