Berlin : Buhmann Böger

Eltern und Erzieher fordern längere Übergangszeiten für geplante Hortreform

Sabine Beikler/Marc Neller

Die Demonstration auf dem Potsdamer Platz hat noch nicht begonnen, da tönt eine Kinderstimme aus dem Megafon: „Die Schülerläden müssen bleiben!“ Dann wird sie übertönt von Trillerpfeifen und einer Trommlergruppe. Etwa 700 Eltern, Kinder und Erzieher haben sich am Samstagnachmittag zusammengefunden, um gegen die angekündigte Schließung von Horten und Schülerläden zu protestieren. Auf einem der vielen Transparente steht „Herr Böger, wir haben Platzangst“. Platzangst – das ist das Motto der Demonstration.

Mitten im Gewühl steht Friedhelm Schmidt-Welle aus Charlottenburg-Wilmersdorf mit Frau, Tochter und einer festen Überzeugung. „Die Reform ist unsinnig, weil es vielerorts noch keine alternativen Angebote gibt, wo die Kinder betreut werden können.“ Allerdings, sagt er, müssten sich private Schülerläden in einigen Bezirken besser organisieren. „Sie sollen sich unter einem Dachverband zusammenschließen.“ Anne Mikus, Mutter einer Tochter, sieht das ähnlich. Als der Zug am Abgeordnetenhaus angekommen ist, gibt die Mitinitiatorin eine Liste mit Forderungen für Bildungssenator Klaus Böger (SPD) ab. Eine lautet: „Wir brauchen die Schülerläden ein Jahr länger – bis es Alternativen gibt.“

Vor einigen Tagen erzielten die Vertreter der Schülerläden bei Verhandlungen mit der Schulverwaltung einen ersten Erfolg: Ab dem Schuljahr 2005/2006 können wie berichtet Schülerläden einfacher mit den Schulen kooperieren und Einzelverträge für die weitere Betreuung abschließen. Ursprünglich sollten nur mehrere Läden, die sich zum Verbund zusammengeschlossen haben, solche Vereinbarungen abschließen dürfen. Für Schülerläden ohne Verträge gilt eine Übergangsfrist: Bis Sommer 2005 können sie noch Kinder aufnehmen. Ob die Regelung um ein Jahr verlängert wird, wie es der Dachverband der Kinder- und Schülerläden (DaKS) fordert, ist noch unklar. Nach einem Gespräch mit Bildungsstadträten am Freitag ließ Bildungssenator Klaus Böger (SPD) zumindest durchblicken, dass dies noch geprüft werde.

Dachverband-Sprecher Roland Kern fordert eine Fristverlängerung, um „Chaos“ bei der Hortverlagerung an die Grundschulen zu verhindern. Für viele der 250 Schülerläden bedeute dies das Aus, wenn sie Schüler nicht „wenigstens noch ein Jahr länger“ aufnehmen dürften; die Zeit bis zum Sommer nächsten Jahres sei viel zu kurz, um Betreuungskonzepte umzustellen. Die stellvertretende Grünen-Fraktionschefin Elfi Jantzen findet Bögers „Galgenfrist“ ebenfalls nicht ausreichend. „Die Bezirke sollten die Chance haben, gute Betreuungskonzepte mit Eltern, Schulen und Horteinrichtungen wie Schülerläden zu entwickeln.“

Für Schülerläden, die künftig keine Verträge mit Schulen haben, gilt nach der neuen Regelung die Bestandssicherung. „Längstens bis zum Ende des Schuljahres 2008/2009“ könnten sie die Kinder weiterbetreuen, die bei ihnen schon vor Beginn des Schuljahres 2005/2006 untergebracht worden sind, sagte die Sprecherin des Schulsenators Rita Hermanns.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar