Berlin : Bummeln, baden oder jubeln: Berlin spielt unentschieden

Das Traumwetter machte vielen die Entscheidung schwer Händler und Wirte hatten sich für den ersten WM-Sonntag mehr erhofft

Andreas Conrad[Sandra Dassler],Marc Neller

Traumwetter, Fußball-WM und geöffnete Kaufhäuser – das Wochenende ließ keine Wünsche offen. Doch viele Angebote blieben ungenutzt. So blieb der Ansturm auf die Geschäfte aus. Besonders in jenen Läden, die am Sonnabend bis 24 Uhr geöffnet hatten, langweilten sich die Verkäufer. Am gestrigen Sonntag hingegen kamen die Kunden. „Wir können zufrieden sein“, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, dem Tagesspiegel. „Das Geschäft ist zwar unterschiedlich angelaufen, teilweise im Bereich der Erwartungen, teilweise darunter, aber wir sind optimistisch. Wir müssen den Kunden jetzt einfach auch die Zeit geben, sich an die neuen Möglichkeiten zu gewöhnen.“

In den Potsdamer Platz Arkaden stehen am Sonntag kurz vor 14 Uhr schon die ersten Kunden. Ein Pärchen, beide Mitte zwanzig, und zwei Frauen mit Kinderwagen. „Super, wenn man mal ganz in Ruhe einkaufen kann“, sagt eine der beiden Mütter. „Das hat man ja sonst nie.“ Auch in den Neuköllner Gropius-Passagen warten Menschen bereits vor den noch geschlossenen Türen. Ob sich das Interesse für die Händler lohnen wird, kann zu diesem Zeitpunkt niemand sagen. Klar ist nur: Es gibt Menschen, die sich auch von dem traumhaften Wetter nicht davon abbringen lassen, einkaufen zu gehen.

In der City-West haben am frühen Nachmittag vor allem jene Geschäfte Zulauf, die Fußballartikel anbieten. Bei Karstadt Sport hat vor allem ein Mann viel zu tun: der die Fußballtrikots verkauft und mit Nummern beflockt. Fans aus Argentinien und Japan fachsimpeln über Bekleidungsvorschriften des Fußballweltverbandes Fifa. Auch am neuen Hauptbahnhof sind viele unterwegs, die Fußballtrikots tragen. Man sieht sie in Souvenirgeschäften, in Imbissen und dort, wo man Mode kaufen kann. Nun ist Interesse das eine, aber bescheren die Fußballfans den Händlern die erhoffte gute Kasse? Kommt darauf an, wen man fragt. „Seit Freitag läuft es super“, sagt die Verkäuferin eines Schuhladens. „Drei Tage WM, drei Tage Bombenumsatz. Vor allem die Holländer kaufen gut.“ Auch die junge Frau an der Kasse eines Souvenirladens gibt sich sehr zufrieden. „Doch, die WM macht sich jetzt schon positiv bemerkbar.“ Allerdings sind nicht alle Händler der Ansicht, dass der Fußball die Geschäftszahlen schöner macht. Am Samstagabend nutzten nur wenige Kunden die bis 24 Uhr verlängerte Öffnungszeit.

Was die Gastwirte anbelangt, so scheint es alles in allem so zu sein, dass diejenigen profitieren, die nahe genug an den großen Touristenzentren liegen – dort, wo die Fanfeste stattfinden und sich die in- und ausländischen Besucher treffen. Nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt liegt der Bundespressestrand. Deren Betreiber sagen, sie seien mit dem Start sehr zufrieden. Als am Sonntag Holland gegen Serbien-Montenegro spielt, ist kein Platz mehr frei. Sonne, WM, Biergarten – eine ideale Kombination, sollte man meinen, Garant eines rappelvollen Lokals. Die Realität sah für die Gastronomen nicht immer so makellos aus. Schon am Sonnabend, beim ersten Nachmittagsspiel dieser Saison, war der „Schleusenkrug“ am Zoo zwar gut gefüllt gewesen, die große Leinwand umlagert – aber einen Sitzplatz zu bekommen, war überhaupt kein Problem, und weder auf Bier noch auf Bratwurst musste man lange warten.

Eine Beobachtung, die sich beim Biergarten-Streifzug gestern Nachmittag wiederholte, mit allerdings erheblichen Unterschieden, ohne dass sich ein einheitliches Bild ergäbe. Als Trend ist allenfalls feststellbar, dass es wie bei den Läden vor allem in Lokalen im Zentrum boomte. Nach dem völlig unterkühlten Mai erinnerten sich die Berliner am Wochenende endlich auch wieder an ihre Freibäder. Während beispielsweise Prinzenbad, Freibad Mariendorf und Stranbad Wannsee gut gefüllt waren, machte sich im Sommerbad Seestraße die Fußball-WM bemerkbar. „Es fiel schon auf, dass vor allem Mütter mit Kindern hier waren und relativ wenig Männer“, sagte eine Mitarbeiterin.

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