• Bummelstreik? Nein, Vorschrift - die Straßenbahn darf nur noch im Schritttempo über den Alex

Berlin : Bummelstreik? Nein, Vorschrift - die Straßenbahn darf nur noch im Schritttempo über den Alex

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Schnell sollte die Straßenbahn werden - und jetzt wird sie sogar von Fußgängern überholt. Fahrgäste, die ihr Ziel zu spät erreichen, unterstellen den Fahrern, sie befänden sich im Bummelstreik. Sie richten sich aber nur nach den Straßenverkehrsvorschriften, die im Bereich um den Alexanderplatz nach Angaben von BVG-Sprecher Klaus Wazlak "in einer Nacht- und Nebelaktion" geändert worden seien. Statt 30 km/h dürfen die Bahnen jetzt nur noch mit Schrittgeschwindigkeit fahren, was Verspätungen bis zu vier Minuten bringe. Betroffen ist auch die Linie 6, die erst jetzt um sechs Minuten beschleunigt wurde - für 15,6 Millionen Mark. Für den Fahrgastverband IGEB ist die Citytram jetzt langsamer als die "Pferdebahn zu Kaisers Zeiten".

Auf dem Alexanderplatz, der als Fußgängerzone ausgewiesen ist, dürfen die Bahnen seit ihrer Rückkehr im vorigen Jahr ohnehin nur mit 10 km/h fahren. Darüber waren sich alle Beteiligten einig. Jetzt hat die Straßenverkehrsbehörde nach mehrmaligem Drängen, wie ihr Leiter Wolfgang Friese sagte, auch im Bereich der Straßenbahngleise Fußgängerzonenschilder anbringen lassen. Sie erfassen nach Angaben der BVG auch eine rund 100 Meter lange Strecke an der Wadzekstraße sowie die Gontardstraße, die als verkehrsberuhigte Zone ausgewiesen worden ist. Davon sei die BVG völlig überrascht worden, sagte ihr Sprecher Klaus Wazlak. Diese Stellen passierten die Züge bisher mit 30 km/h oder 20 km/h. Weil sie jetzt auch dort nur noch Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen, die nicht klar definiert ist, stimmen die Ampelschaltungen für die Grünphasen der Straßenbahn nicht mehr. Sie müssen nun länger warten als bisher.

Wolfgang Friese von der Straßenverkehrsbehörde sagt dagegen, die Fußgängerzone beziehe sich jeweils nur auf wenige Meter im Bereich der Wadzekstraße und der Gontardstraße zwischen Rathaus- und Panoramastraße. Auf den anderen Abschnitten könnten die Bahnen mit 30 km/fahren.

Andere Städte lassen diese Probleme erst gar nicht entstehen. In Karlsruhe dürfen die Bahnen mit 25 km/h durch die Fußgängerzone fahren, wobei die Gleise wie auf dem Alexanderplatz zum Teil ebenerdig auf der Fahrbahn liegen. Passiert sei noch nie etwas, sagte der Sprecher der Karlsruher Verkehrsbetriebe, Hartmut Stammler. Der Verkehrsbetrieb hat Ausnahmegenehmigung.

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